Fujitsu ScanSnap S510M im Preisvergleich CH/USA

Ende Dezember 2007 schrieb ich über über den grossen Preisunterschied beim Kauf von Hardware in der Schweiz und in Deutschland sowie in den USA. Für den in diesem Blogeintrag erwähnten Fujitsu ScanSnap S510M-Scanner wollte ich nun herausfinden, worin der Grund für den Preisunterschied liegt und wer an diesem Preisunterschied verdient …

Fujitsu Scansnap S510M-Preis in der Schweiz und in den USA

Als Referenz diente der amerikanische Preis von etwas mehr als 440 USD netto bei Amazon.com am 2. Januar 2008 (rund 500 CHF netto)

… die aktuellen Preise in der Schweiz ermittelte ich über eine auf Preisvergleiche spezialisierte Website und erfasste die aufgeführten Preise der günstigsten Schweizer Anbieter mit «Numbers»

… der tiefste Nettopreis (ohne Mehrwertsteuer und Versandkosten) betrug knapp 775 Franken, fast 55 Prozent mehr als in den USA! 😯

«Günstige» Preise dieser Art sind im Schweizer Internet ausserdem mit Nachteilen verbunden: Die meisten Anbieter sind wenig oder gar nicht bekannt, das heisst man weiss nicht, ob sie seriös sind. Seriösität wäre aber besonders wichtig, da Gewährleistung und Garantie mehrheitlich fehlen und meistens Vorauszahlung verlangt wird. Wer nicht selbst Versuchskaninchen spielen möchte, sollte sich bei Freunden und Bekannten um Empfehlungen bemühen – im Ergebnis ist der tiefste Preis bekanntermassen nicht immer der beste Preis!

E-Mail-Anfrage an Schweizer Fujitsu Scansnap S510M-Anbieter

Am 3. Januar 2008 kontaktierte ich rund ein Dutzend der günstigsten Schweizer Anbieter und bat mit der folgenden E-Mail-Nachricht um Auskunft …

In Ihrem Angebot führen Sie unter anderem den Fujitsu ScanSnap S510M-Scanner. In den USA ist dieser Scanner für rund 440 USD netto erhältlich, was etwa 500 CHF netto entspricht.

Bei Ihnen beträgt der Nettopreis für dieses Gerät rund … CHF, also deutlich mehr. Was ist der Grund für diesen riesigen Preisunterschied?

… mehrere Anbieter bestätigten meine E-Mail-Anfrage mit einer automatischen Rückantwort. Interessant war dabei, dass ich von drei scheinbar unterschiedlichen Anbietern jeweils die gleiche Rückantwort erhielt, das heisst ein kontaktierter Anbieter ist mit mindestens drei verschiedenen Websites im Schweizer Markt präsent! 🙄

E-Mail-Antworten von Schweizer Fujitsu Scansnap S510M-Anbietern

Nachfolgend die E-Mail-Antworten, die bislang von Schweizer Anbietern eingangen sind – erfreulich übrigens, wie schnell die meisten Anbieter reagierten, viele innert Stunden! 🙂

Ein Anbieter verwies auf die Menge …

Die Preise werden nach Einkauf und Verkauf berechnet. Wenn wir von einem Artikel nur wenige Stück verkaufen, ist der Einkaufspreis automatisch höher. Aus diesem Grund kann es gut möglich sein, dass andere Händler bei gewissen Artikeln billiger sind als wird.

… ein anderer Anbieter gab sich ratlos …

[…] Weshalb der Preisunterschied so hoch ist, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Zurzeit lohnt sich das Einkaufen aus den Staaten. Da diese allgemein günstigere Preise haben. […]

… ein weiterer Anbieter schrieb, in Europa werde ein anderes Modell verkauft und die Marge der europäischen Distributoren sei höher …

Leider sind die Modellen im Europa nicht die gleichen, und die Preisen auch
nicht, wir nehmen nicht mehr margin aber die Distributoren im Europa nehmen
mehr margin.

… auch alle anderen Anbieter erklärten glaubwürdig, dass sie beim Einkauf selber einen wesentlich höheren Preis bezahlen müssten als Endkunden in den USA …

Wir sind Ihrer Frage nachgegangen und haben diesen Preis angeschaut. Leider können wir an diesem Preis nichts mehr ändern, da Ihr Preis weit unter unserem Einstandspreis ist.

Leider habe ich darauf auch keine Antwort. Wir beziehen dieses Gerät vom Schweizer Importeur und wir haben eine Marge von 3% auf diesem Gerät.

[K]eine Ahnung, woher die Preise in den USA kommen. Wir beziehen unsere Geräte von einem Fujitsu Einkäufer, der die Geräte gemäß den EU-Vorschriften vertreibt. Wir richten unsere Preise nach dem Einkaufspreis.

Ja, das ist richtig, es gibt da einen grossen Unterschied. Dieser wird von Fujitsu gemacht, warum auch immer.Der niedrige Dollarkurs unterstützt dann noch solche Unterschiede.

Der Grund? Ich kann es nicht sagen, denn normalerweise sind heute die Preise in Europa tiefer als in Amerika, mit Ausnahmen. Aber durch die grössere Dichte an Händler ist der Preiskampf in Europa viel stärker als in den USA.

Evtl. ist dies eine Abverkaufsaktion.

Mehr kann ich leider nicht sagen, auch bekommen wir von FSC keinen besseren Preis.

Die Preise sind von unserem Distributor vorgegeben.

Tja, das ist einen gute Frage. Ganz ehrlich gesagt haben wir keinen Ahnung wie die Preis Politik der Hersteller zustande kommt.

Wenn sie es wirklich interessiert würde ich mal da anrufen […]

Das müssen Sie nicht uns Fragen, dies müssen Sie Fujitsu Fragen. Unsere Marge ist jedenfalls bei weitem nicht 800 CHF, die liegt bei 1-2%.

Fujitsu fragen? Gute Idee! 😀

E-Mail an Fujitsu in der Schweiz

Auf meine entsprechende E-Mail-Anfrage hin erhielt ich von Fujitsu innert Minuten eine Antwort mit den Kontaktadressen einer Unternehmung in der Zentralschweiz, die unter anderem für den Fujitsu Scansnap S510M-Vertrieb in der Schweiz zuständig ist. Innert kurzer Zeit erteilte mir der dort zuständige Mitarbeiter folgende Auskunft …

Die Preisunterschiede zwischen Europa und USA sind immer wieder erstaunlich. […] Dabei verweisen die Hersteller auf die Unterschiedlichen Ausstattungen und Garantie hin. Bei den Scannern zB. besteht kein Garantieanspruch von einem Jahr wie wir dies kennen.

Gemäss dem Hersteller sind die Aufwände in Europa höher z.B.

  • Verpakungen müssen den Sprachen angepasst werden
  • Anschlusskabel sind unterschiedlich
  • Support in verschiedenen Sprachen
  • Lohnkosten
  • Währungsunterschiede

Diese Unterschiede wiederum führen zu den höheren Einkaufspreisen für den Distributor.

Beachtet werden müssen auch die Stückzahlen. Im US Markt können viel grössere Stückzahlen
abgesetzt werden als in Europa. In gewissen Marktsegmenten ist die Differenz so gross, dass
der US Markt mit der restlichen Welt verglichen werden kann.

Ich selbst bin Konsument und stosse mich an diesen Differenzen. Betrachtet man aber die Unterschiede und analysiert die Situation mit dem tiefen Dollar den unterschiedlichen Services wird es etwas verständlicher.

Fazit zum Schweizer Fujitsu ScanSnap S510M-Preis

… gemäss dieser Auskunft profitiert im Wesentlichen der Hersteller, im vorliegenden Fall Fujitsu, vom deutlich höheren Verkaufspreis in der Schweiz. Die entsprechende Argumentation überzeugt nicht vollständig, aber solange Schweizer Kunden Produkte zu im Vergleich mit den USA deutlich überhöhten Preisen kaufen, wird sich am stossenden Preisunterschied zwischen der Schweiz und den USA für Produkte wie Fujitsu ScanSnap S510M leider nichts ändern … 🙁

12 Comments

  1. DB
    5. Januar 2008

    @MacMacken:

    Hast du auch die Einfuhrumsatzsteuer berücksichtigt?

    Die beträgt in Deutschland 19 %. Für Schweiz, keine Ahnung.

    Reply
  2. Martin (MacMacken)
    5. Januar 2008

    Hast du auch die Einfuhrumsatzsteuer berücksichtigt?

    Die beträgt in Deutschland 19 %. Für Schweiz, keine Ahnung.

    7,6 Prozent in der Schweiz, vorläufig noch … ich habe die Mehrwertsteuer nicht berücksichtigt, sondern mit Netto-Preisen gerechnet – unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer kann die Preisdifferenz durchaus noch höher sein, je nach Wohnsitz des Käufers (sowohl in den USA als auch in Europa).

    Reply
  3. DB
    5. Januar 2008

    Dass die Taxes in jedem Staat einen anderen Wert haben, weiß ich.

    Jedoch die Einfuhrumsatzsteuer, die man beim Zoll entrichten MUSS, solltest du berücksichtigen.

    Sonst ist es kein reeller Vergleich, sorry.

    Reply
  4. Martin (MacMacken)
    5. Januar 2008

    Jedoch die Einfuhrumsatzsteuer, die man beim Zoll entrichten MUSS, solltest du berücksichtigen.

    Sonst ist es kein reeller Vergleich, sorry.

    Du möchtest offensichtlich wissen, wie viel der Import aus den USA kostet – dazu kannst Du problemlos den amerikanischen Netto-Preis um Mehrwertsteuer und etwaigen Zoll sowie die Versandkosten ergänzen …

    Mein Vergleich hingegen zielt nicht auf Mehrwertsteuersätze, Versandkosten, usw., sondern auf den tatsächlichen Preis. Deshalb ist es angebracht, die Mehrwertsteuer nicht miteinzubeziehen. Nicht ohne Grund ist es in den USA sowie im schweizerischen Geschäftsverkehr üblich, die Preise ohne Mehrwertsteuer auszuzeichnen …

    Reply
  5. DB
    5. Januar 2008

    Aber was hat eine innerschweizerische Ausstellung von Rechnungen mit Ausweisungen von Nettobeträgen(, was übrigens in Deutschland auch üblich ist) mit dem Einführen von Produkten aus den USA in die EU zu tun?

    Ich vermute gar nichts.

    Für Produkte, die in die EU eingeführt werden, muss diese Einfuhrumsatzsteuer berechnet werden.

    Dass du den jeweiligen abweichenden Tax nicht berechnest, verstehe ich noch.

    Außerdem ist es doch ein uraltes Thema. Sämtliche Elektrogeräte sind in den USA um einiges preiswerter, derzeit auch wegen dem Wechselkurs.

    Reply
  6. Martin (MacMacken)
    5. Januar 2008

    Für Produkte, die in die EU eingeführt werden, muss diese Einfuhrumsatzsteuer berechnet werden.

    … na und? Mich interessiert im vorliegenden Fall der Produktpreis und nicht, wie hoch die Mehrwertsteuer beim Import ist, denn diese ändert nichts am Produktpreis.

    Außerdem ist es doch ein uraltes Thema. Sämtliche Elektrogeräte sind in den USA um einiges preiswerter, derzeit auch wegen dem Wechselkurs.

    … möglich, aber mich interessierten die Gründe dafür und wer daran verdient. Es ist schliesslich kein Naturgesetz, dass Amerikaner für die genau gleichen Produkte deutlich weniger bezahlen als wir Europäer – übrigens auch wechselkursbereinigt.

    Reply
  7. Anonymous
    6. Januar 2008

    Schlimm genug, dass wir von unseren Politikern abgezockt werden! Noch schlimmer, dass wir auch von den Herstellern abgezockt werden!

    Reply
  8. Martin (MacMacken)
    6. Januar 2008

    🙄

    Reply
  9. genervt
    16. Januar 2008

    Es ist in der Tat erschreckend, was für Kosten auf einen zukommen, wenn man in Europa ein Produkt vertreiben möchte. Ich erfahre dies gerade am eigenen Leib. Wir importieren in kleinen Stückzahlen Kleinmöbel aus den USA und kommen dabei sehr schnell bis zum vermeintlich doppelten Preis als in den USA. Das verstehen viele Kunden auf den ersten Blick nicht. Denn viele vergleichen als Endkunden entsprechend Endpreise miteinander. Ist ja verständlich.

    Der Endpreis in den USA wird ohne jegliche Sales-Tax oder Mehrwerteuer ausgewiesen. Eine Mehrwertsteuer gibt es in den USA nicht und die Sales-Tax (die anders als die MwSt. funktioniert) nur in einzelnen Staaten. Aber selbst die Sales-Tax ist dann wesentlich geringer als in den meisten EU-Staaten.

    Wenn in den USA eine Markteinführung mache, dann kann ich die wichtigsten Medien in einer Sprache national ansprechen. Das spart nicht nur Übersetzungskosten sondern schlicht auch mehrfaches verschiedensprachiges Personal: in der PR-Abteilung, im Marketing, im Vertrieb, etc. In Europa erwartet natürlich der Endverbraucher zurecht, dass er in seiner Sprache alle Services rund um ein Produkt bekommt. Das artet sich, wenn man ein Produkt Europaweit über das Internet und erst recht im Einzelhandel vertreiben will, zu einem Kosten-Rattenschwanz ohne Gleichen. Denkt allein an die Druckkosten für Produktbroschüren in verschiedenen Ländern und Sprachen.

    Je nach Produktart kommt noch hinzu, das neben der Einfuhrmehrwersteuer auch noch zusätzlich ein Zollaufschlag gezahlt werden muss. Das liegt bei unseren Produkte nochmals bei ca. 6%. Wir importieren aus den USA nach Deutschland, damit wir für Lieferungen innerhalb der EU nicht nochmals verzollen müssen. Bei Lieferungen in die Schweiz müssen wir aber nochmals von unserem „Zentrallager“ aus verzollen. Die Vorbereitung der Verzollung lässt sich natürlich die Spedition auch nochmals bezahlen. Klar, das ist Zeit und Arbeitsaufwand und zudem Know-How. Die deutsche Einfuhrmehrwertsteuer bekommen wir wieder, dafür zahlen wir wiederum die Schweizerische Einfuhrmehrwertsteuer. Den Zoll bekommen wir aber nicht wieder.

    Jetzt werden die Produkte in den USA hergestellt. Allein die Frachtkosten machen bei unseren kleinen Mengen ca. 30% auf den Einkaufswert aus. Bei EDV-Artikeln sind die Händlermargen meist lachhaft, siehe 1-3%. Ein kleiner Möbelhändler in Deutschland erwartet zwischen 40 und 50%. Rabatt auf den Listenpreis. Sonst rechnet sich das nicht für ihn (Ladenmiete, Personal, etc.) bei der Umschlagshäufigkeit von Möbeln. Vereinfacht gesagt: Bei 50% Rabatt für den Händler wird also jeder Euro beim Händlereinkaufspreis zu mind. 2 EUR im Endpreis. Das ist ein gewaltiger Hebeleffekt.

    Nun kann ich eben nur von meinen Erfahrungen als Startup mit meinem kleinen Unternehmen berichten, das wohlgemerkt bisher noch nicht mal ein Gehalt für mich abwirft. In grossen Unternehmen mit grossen Mengen verschieben sich natürlich die Verhältnisse. Aber die Frage ist natürlich, wie viel effektiv? Und selbst bei grossen Mengen. Um die zu bewätligen braucht es wiederum wesentlich mehr Personal als bei mir kleiner One-Man-Show.

    Zum Stichwort „Abzocke“:
    In Deutschland ist es in den letzten Jahren leider immer mehr zur Jammerkultur gekommen. Dabei werden selbst schön die Hände in den Schoss gelegt und sich dann beklagt. Das Lieblingswort ist dann schnell „Abzocke“. Das wird für alles benutzt, was sich der Laie aus mangelndem Wissen nicht selbst vorrechnen kann bzw. vor allem will. Die Medien stürzen sich mit Ihren Trash-Berichten dann darauf, weil sie wissen, dass die Masse in Deutschland gerne Berichte über Abzocke sieht. So werden dann auch die Berichte verdreht und verkauft, damit diese Quote bringen. Über die geistige Abzocke bei diesem Spiel spricht keiner.

    Wenn ich mir versuche vorzustellen, wie schwer es ohne den Euro in mehreren Ländern und ohne Binnenmarkt gewesen sein muss, dann wird mir schlecht. Wenn ich mir überlege, was für Blockaden wir im Vergleich zu den USA immer noch innerhalb Europas haben, dann haben wir noch viel zu tun. Aber es ist ja bequemer über den Euro und die EU zu wettern, anstatt sich aktiv zu beteiligen, wenn einem etwas nicht passt.

    Reply
  10. Martin (MacMacken)
    16. Januar 2008

    Herzlichen Dank für diesen umfangreichen Kommentar – diese Haltung gefällt mir! 😀

    Reply
  11. Christian
    3. November 2008

    „genervt“ beschrieb den umfangreichen Aufwand für Publikationen in den verschiedenen Sprachen. Ich habe mir heute beim deutschen Apple-Store den Prospekt für den S510M runtergeladen (um den ging es hier ja ursrpünglich mal) und siehe da – alles in Englisch…
    nur mal so zum Thema aufwendiger Vertrieb in EU!!!
    Gruß
    Christian

    Reply
  12. Martin (MacMacken)
    3. November 2008

    @Christian: Gut beobachtet, merci für Deine Rückmeldung! 🙂

    Reply

Leave a Reply