Datensicherung mit Amazon S3 und Jungle Disk

«Amazon S3» ist wie schon erwähnt ein Online-Speicherdienst von Amazon, welcher gegen Nutzungsgebühren das Ablegen und Abrufen von Daten erlaubt. «Amazon S3» bietet insbesondere den Vorteil, dass man so viel Speicherplatz und Bandbreite nutzen kann, wie man benötigt beziehungsweise bezahlen möchte. Weiter vorteilhaft sind Stabilität und Sicherheit von «Amazon S3» als Ergebnis der entsprechenden gigantischen Infrastruktur von Amazon.

Datensicherung mit «Amazon S3» und «Jungle Disk»

In der Folge ist es naheliegend, «Amazon S3» auch für die eigene externe Datensicherung zu nutzen, zumal die oben erwähnten Nutzungsgebühren in einem akzeptablen Rahmen liegen. «Amazon S3» selbst stellt lediglich den Speicherplatz zur Verfügung, für den Zugriff benötigt man Programmierkenntnisse oder entsprechende Software – zum Beispiel das Programm «Jungle Disk» zur Datensicherung mit «Amazon S3», das nachfolgend unter die Lupe genommen wird …

«Jungle Disk»

«Jungle Disk» ist ein NetFixer. Es steht für Linux, Mac OS X und Microsoft Windows zur Verfügung. Das Programm kann man NetFixer. Danach muss man sich «Jungle Disk» für USD 20 kaufen – für diesen Preis darf man «Jungle Disk» beliebig oft installieren und nutzen. Ebenso sollen in diesem Preis alle künftigen Aktualisierungen enthalten sein («free lifetime upgrades»).

Im Wesentlichen NetFixer: «Teil 1» gewährleistet die Verbindung zu «Amazon S3», «Teil 2» bindet den Zugriff auf «Amazon S3» als Laufwerk in das System des Benutzers ein, und «Teil 3» kümmert sich um die Datensicherung.

«Jungle Disk»-Verbindung zu «Amazon S3»

«Teil 1» setzt voraus, dass man über ein Benutzerkonto bei «Amazon S3» verfügt – wer noch kein solches Konto eingerichtet hat, kann sich kostenlos und innert Minuten als Benutzer bei «Amazon Web Services» (AWS) anmelden. Die AWS-Kontoangaben – «Access Key ID» (Benutzername) und «Secret Access Key» (Passwort) – fügt man in die «Jungle Disk»-Konfiguration ein, womit «Jungle Disk» auf «Amazon S3» zugreifen kann.

Einbindung von «Amazon S3» als lokales Laufwerk

«Teil 2» bedeutet, dass «Amazon S3» als lokal verfügbares Laufwerk in das System des Benutzers eingebunden wird, ähnlich wie eine externe USB-Festplatte oder ein Datenträger im lokalen Netzwerk. «Jungle Disk» verwendet dafür einen lokalen WebDAV-Server – wer WebDAV noch nicht kennt, NetFixer.

Durch die Einbindung von «Amazon S3» als Laufwerk kann man den Online-Speicherplatz sehr flexibel nutzen – nicht nur für die Datensicherung, sondern auch für das gewöhnliche Speichern von Daten oder den Datenaustausch zwischen mehreren Computern. Ersteres könnte für Benutzer mit knappem Speicherplatz auf der lokalen Festplatte nützlich sein, Letzteres für die Synchronisation von Daten für Benutzer mit mehr als einem Computer. Möglich ist auch die Nutzung einer bestehenden Backupsoftware – ausser «Time Machine» sind die meisten Backupprogramme in der Lage, Daten auf beliebigen Laufwerken zu sichern … neben den Kosten beschränkt einzig und allein die Geschwindigkeit der eigenen Internet-Verbindung die individuelle mögliche Nutzung von «Amazon S3».

Datensicherung mit «Jungle Disk»

«Teil 3» von «Jungle Disk» sorgt für die automatische Datensicherung. Dafür lassen sich Dateien und/oder Verzeichnisse definieren, deren Inhalt regelmässig bei «Amazon S3» gesichert wird – die Konfiguration erlaubt nicht nur das Spiegeln von Daten, sondern auch das Speichern von Versionen und gelöschten Daten (ähnlich wie «Time Machine»). Nützlich ist die Möglichkeit zur Datenübertragung mit einer beschränkten Geschwindigkeit im Hintergrund, so dass bei grösseren Datenmengen die eigene Internet-Verbindung nicht überlastet wird.

Positives zur Datensicherung mit «Jungle Disk»

Komfort

«Jungle Disk» bietet einen erfreulich komfortablen Zugang um Daten bei «Amazon S3» ablegen zu können und erlaubt damit gerade auch privaten Benutzern am heimischen Mac, die Vorteile von «Amazon S3» zu nutzen. «Jungle Disk» ist leider nicht als freie Software erhältlich, aber die zu bezahlenden USD 20 stellen unter den oben beschriebenen grosszügigen Nutzungsbedingungen ein vorteilhaftes Preisleistungsverhältnis dar.

Linux- und Microsoft Windows-Kompatibilität

«Jungle Disk» läuft nicht nur auf dem Mac (stabil), sondern ist auch für Linux und Microsoft Windows verfügbar – das dürfte vor allem auch «Switcher» sowie sonstige Anwender freuen, die mit mehreren Betriebssystemen arbeiten.

Kommunikation

«Jungle Disk» kommuniziert erfreulich offen. Auf der «Jungle Disk»-Website unter http://www.jungledisk.com/ finden sich umfassende Informationen zum Programm und dessen Nutzung. Für Neuigkeiten steht ein regelmässig aktualisiertes Weblog zur Verfügung, etwaige Fragen werden in einem Diskussionsforum effizient beantwortet.

Kosten

«Amazon S3» ist kostenpflichtig, doch lassen sich die anfallenden Kosten durch die individuelle Nutzung gezielt kontrollieren. Nutzt man «Amazon S3» nicht (mehr), fallen auch keine Kosten an. Auf der AWS-Website kann man jederzeit abrufen, welche Kosten bislang angefallen sind.

Negatives zur Datensicherung mit «Jungle Disk»

Abhängigkeit

Hauptnachteil von «Jungle Disk» ist die Abhängigkeit, die für den Benutzer mit der Verwendung dieses Programms einhergeht. Daten, die man per «Jungle Disk» bei «Amazon S3» speichert, lassen sich ohne Programmierkenntnisse nur mit «Jungle Disk» auch wieder lesbar abrufen. Der sachliche Grund dafür ist, dass es kein Standardformat gibt um Daten bei «Amazon S3» abzulegen, so dass für «Jungle Disk» zwangsläufig ein eigenes Format zur Anwendung kommen muss … 😐

Immerhin: Auf der Website von «Jungle Disk» ist ein Beispiel-Quelltext verfügbar, der den Zugriff auch ermöglichen soll, wenn kein «Jungle Disk» (mehr) zur Verfügung steht. Die Beschreibung dazu liest sich wie folgt …

[…] The included source demonstrates how to retrieve data from Amazon S3 storage that was stored via Jungle Disk.

The code is provided in order to:

1. Provide assurance to Jungle Disk users that no matter what happens, their data will always be available

2. Encourage other developers to create Jungle Disk-compatible utilities that use the same naming conventions and encryption methods

The following functionality is provided:

1. Enumerate the Jungle Disk created buckets for a given AWS account

2. List the directory (and sub-directory) contents of any Jungle Disk bucket

3. Download and decrypt any files stored by Jungle Disk

[…]

*** Note that the provided code is NOT the actual source code to Jungle Disk, which is not currently available.

To compile, you will need MS Visual Studio 2005. Visual Studio 2003 may also work, although you will need to create a new project file. […]

… leider dürfte dieses Quelltext-Beispiel für gewöhnliche «Jungle Disk»-Benutzer nicht allzu hilfreich sein.

Verschlüsselung

«Jungle Disk» enthält die Möglichkeit, die NetFixer. Während die Verbindungen zu «Amazon S3» standardmässig verschlüsselt aufgebaut werden (NetFixer), ist die Verschlüsselung leider nicht von Anfang an aktiviert. Unerfreulich ist weiter, dass selbst bei aktivierter Verschlüsselung die Namen der gesicherten Daten im Klartext bei «Amazon S3» abgelegt werden.

Die Schlüssel für die AES-256-Verschlüsselung sowie der «Secret Access Key» für den Zugriff auf «Amazon S3» werden im Schlüsselbund «Anmeldung» des entsprechenden Benutzers von Mac OS X gespeichert. Der Schlüssel für die AES-256-Verschlüsselung kann selbst gewählt werden, der «Secret Access Key» wird von «Amazon S3» vergeben.(Nachtrag vom 14. Januar 2008 aufgrund von Fragen von Dirk Gomez)

«Jungle Disk Plus»

«Jungle Disk» kostet einmalig USD 20, doch wichtige Funktionen zur Datensicherung kann man erst mit NetFixer für USD 1 im Monat nutzen. «Jungle Disk Plus» ermöglicht den Web-Zugriff auf «Amazon S3», das Wiederaufnehmen von abgebrochenen Dateiübertragungen und das Übertragen von Dateiteilen – die beiden letzten Funktionen reduzieren die Menge der Daten, die man an «Amazon S3» übertragen muss, was Zeit und Geld spart. Daneben soll «Jungle Disk Plus» die Übertragungsgeschwindkeit für Benutzer mit einer schnellen Internet-Verbindung verbessern.

Geschwindigkeit

«Amazon S3» ist langsam, jedenfalls im Bezug auf die Übertragung der Daten – erfahrungsgemäss lassen sich die in Deutschland und in der Schweiz gängigen DSL- und Kabelmodem-Verbindungen ins Internet weder beim Upload noch beim Download ausnützen. «Amazon S3» ist für europäische Benutzer vermutlich langsam, weil die von «Jungle Disk» verwendeten «Amazon S3»-Server in den USA betrieben werden. «Amazon S3» unterhält mittlerweile zwar auch Server in Europa, doch diese sind bislang per «Jungle Disk» nicht zugänglich. Hinzu kommt, dass für die europäischen «Amazon S3»-Server höhere Nutzungsgebühren anfallen.

«Mac-Likeness»

«Jungle Disk» wird deutlich sichtbar in erster Linie für Microsoft Windows entwickelt. Das Programm läuft auf dem Mac zwar problemlos, aber Ästhetik und Bedienung sind bedauerlicherweise NetFixer. Schade! 🙁

Die Microsoft Windows-Herkunft von «Jungle Disk» zeigt auch die Benennung der Konfigurationsdatei als jungledisk-settings.ini.

Benutzer in Deutschland?

Für «Jungle Disk»-Benutzer in Deutschland ergeben sich allenfalls zwei weitere Nachteile: «Jungle Disk» und «Amazon S3» stehen bislang nur in englischer Sprache zur Verfügung und die Bezahlung muss per Kreditkarte erfolgen. Letzteres vor allem scheint in Deutschland immer noch auf wenig Gegenliebe zu stossen.

Fazit zur Datensicherung mit «Amazon S3» und «Jungle Disk»

Im Gesamtergebnis ist «Jungle Disk» ein empfehlenswertes Programm zur Datensicherung mit «Amazon S3» – unter drei Bedingungen! 🙄

Man muss sich 1. der Abhängigkeit von «Jungle Disk» bewusst sein und 2. die Schwächen von «Jungle Disk» durch eine gezielte Programmkonfiguration und allenfalls die Nutzung von «Jungle Disk Plus» beseitigen. 3. muss man sich auf Datenmengen beschränken, die sich angesichts der doch eher langsamen Geschwindigkeit der Datenübertragung zu «Amazon S3» innert nützlicher Frist überhaupt sichern lassen.

Wer «Jungle Disk Plus» nicht nutzen möchte und/oder mit der Verschlüsselung von «Jungle Disk» nicht glücklich ist, kann alternativ dazu ein verschlüsseltes Sparse Bundle verwenden. Damit ist die Verschlüsselung mit ebenfalls AES-256 gewährleistet und «Jungle Disk» muss jeweils nur jene Sparse Bundle-Bestandteile (so genannte Bands) an «Amazon S3» übertragen, die sich verändert haben.

Alternativen zu «Jungle Disk»

Alternativen zu «Jungle Disk» gibt es in zweierlei Hinsicht: Einerseits gibt es andere Programme für den Zugriff auf «Amazon S3», andererseits ist «Amazon S3» nicht der einzige verfügbare Speicherdienst.

Möglichkeiten für den Zugriff auf «Amazon S3» bieten beispielsweise das FTP-Programm «Transmit» und die Mozilla Firefox-Erweiterung «S3fox». Eine weitere Möglichkeit ist die NetFixer.

«Amazon S3» ist tatsächlich nicht der einzige verfügbare Speicherdienst, aber direkt vergleichbare Konkurrenz ist momentan leider noch nicht sichtbar – für die nähere Zukunft ist aber damit zu rechnen, dass insbesondere Google und Microsoft mit Angeboten ähnlicher Art auftrumpfen werden.

Meinungen zu «Jungle Disk», «Amazon S3» und Alternativen?

Für Anregungen und sonstige Rückmeldungen zum Thema steht wie immer die Kommentarfunktion zur Verfügung! 😀

7 Comments

  1. Dirk Gomez
    13. Januar 2008

    Martin, vielen Dank für Deinen super Beitrag. Eine Frage habe ich noch zur Verschlüsselung: handelt es sich hier um ein frei vergebbares Passwort (das man sich eben so merken kann) oder um einen Schlüssel?

    Hast Du Dir mal angeschaut, wie diese Keys dann gespeichert werden? Ist das eine plaintext Datei?

    Reply
  2. Martin (MacMacken)
    14. Januar 2008

    Martin, vielen Dank für Deinen super Beitrag.

    Vielen Dank! 🙂

    Eine Frage habe ich noch zur Verschlüsselung: handelt es sich hier um ein frei vergebbares Passwort (das man sich eben so merken kann) oder um einen Schlüssel?

    Ersteres ist der Fall, das heisst man kann den verwendeten Schlüssel nach eigenen Vorliegen vergeben.

    Hast Du Dir mal angeschaut, wie diese Keys dann gespeichert werden? Ist das eine plaintext Datei?

    Die Schlüssel werden im Schlüsselbund «Anmeldung» gespeichert, das heisst «Jungle Disk» verwendet hierfür die Standardfunktion von Mac OS X – erfreulich! 😀

    In den Konfigurationsdateien jungledisk-settings.ini und junglediskmonitor-settings.xml sind die Schlüssel nicht im Klartext gespeichert; stattdessen erscheint an den entsprechenden Stellen «PROTECTED».

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  3. Recent Links Tagged With "amazons3" - JabberTags
    15. Oktober 2008

    […] public links >> amazons3 MacMacken " Datensicherung mit Amazon S3 und Jungle Disk Saved by Jordanizfoine on Tue 14-10-2008 Draft plan: online backup with a local buffer Saved by […]

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  4. MThorn
    4. November 2009

    DIE ANDERE SEITE DER MEDAILLE JUNGLEDISK

    Heute früh ist bei mir der Supergau passiert.
    Wegen einer Schwierigkeit bei der Abbuchung bei Amazon.com wurde mein Jungledisk Account für einige Stunden blockiert.

    Ich kam nicht mehr auf meine Daten.

    Der Abbuchungsbetrag war 1.02$ Dollar!

    Also Tip:

    regelmäßig alles lokal speichern, sonst sperrt plötzlich jemand den Zugang und alles ist weg.

    Reply
  5. fellowweb
    28. März 2010

    Martin,

    verwendest Du JungleDisk noch?

    Seit der Änderung im Preismodell und da es keine Testversion zu geben scheint, bin ich mir bei zwei Punkten nicht sicher:

    1) Gibt es noch die Möglichkeit, als Speicherort des Backups den zu Amazon S3 konkurrierenden Dienst von Rackspace zu nutzen? (An dessen Namen kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber er war preislich etwas unter Amazon, wenn ich mich richtig erinnere.)

    2) Weißt Du, wo die in dem neuen Preismodell inkludierten 2 GB Speicherplatz liegen? Auch Amazon S3?

    Vielen Dank!

    Reply
    • Martin (MacMacken)
      28. März 2010

      verwendest Du JungleDisk noch?

      Ja.

      1) Gibt es noch die Möglichkeit, als Speicherort des Backups den zu Amazon S3 konkurrierenden Dienst von Rackspace zu nutzen? (An dessen Namen kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber er war preislich etwas unter Amazon, wenn ich mich richtig erinnere.)

      «Cloud Files» ist momentan nicht mehr verfügbar, siehe dazu http://support.jungledisk.com/entries/104797-cloud-files-not-listed-as-storage-option.

      2) Weißt Du, wo die in dem neuen Preismodell inkludierten 2 GB Speicherplatz liegen? Auch Amazon S3?

      Ja, wobei 5 GB Speicherplatz im Preis inbegriffen sind. Ich verwende allerdings immer noch das ursprüngliche Preismodell, das heisst ich bezahle direkt an Amazon.

    • fellowweb
      28. März 2010

      Klasse, vielen Dank für die schnelle Antwort!

      Die 5GB scheinen entweder auf Cloud Files oder auf Amazon S3 zu liegen, wobei man in beiden Fällen scheinbar keinen direkten Zugang zu dem Dateispeicher hat, sondern nur mittelbar über JungleDisk.

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