Abenteuer LaTeX auf dem Mac

(Suchen Sie allenfalls nach «Latex» und nicht nach «LaTeX»? In diesem Fall muss ich Sie enttäuschen und kann Ihnen zum Trost lediglich ein Minimum an nackter Haut anbieten … 😉 )

NetFixer schwärmen NetFixer NetFixer wieder von LaTeX, kürzlich schrieb sogar SPIEGEL ONLINE, man solle keine Angst vor LaTeX haben. Und ja, LaTeX «beisst» nicht, kann aber ganz schön anstrengen – nachfolgend einige Aspekte, die LaTeX anstrengend machen können. Grundlage dafür sind meine eigenen LaTeX-Erfahrungen, wobei ich in erster Linie mit der MacTeX-Distribution inklusive TeXShop arbeite. Wer LaTeX noch gar nicht kennt, findet im «Office Software»-Forumsbereich von MacUser.de einen Einstieg und meistens auch einige LaTeX-Evangelisten

Vorlagen sind das A und O für die bequeme Nutzung von LaTeX. Mit einer korrekten Vorlage kann man sich zum allergrössten Teil auf den Inhalt konzentrieren und muss keine Zeit mit LaTeX-Basteleien verbringen – dies stellt den Idealfall der LaTeX-Nutzung dar und wird glücklicherweise durch viele Universitäten mit entsprechenden Vorlagen für Seminar-, Diplom- und sonstige Studienarbeiten ermöglicht. Ohne eine passende Vorlage hingegen muss man sich mühsam eine solche suchen oder selbst erstellen; Verzeichnisse von gängigen Vorlagen gibt es für LaTeX bislang leider nicht.

LaTeX und Schriften sind ein problematisches Thema – wer nicht eine der standardmässigen Schriften nutzen möchte, muss NetFixer (ähnlich wie bei Vorlagen) oder steht tatsächlich vor einem Problem. Die unter Mac OS X installierten Schriften, die ansonsten von allen Anwendungen genutzt werden können, stehen für die Nutzung von LaTeX nicht direkt zur Verfügung, das Einbinden von zusätzlichen Schriften ist aufwendig und kompliziert.

Die Verwendung von Bilder und Tabellen kann ebenfalls problematisch sein; Ersteres weniger als Letzteres. Ohne Hilfsprogramm Tabellen im LaTeX-Syntax zu erstellen, stellt eine Herausforderung eigener Art dar, da der Syntax sehr umständlich ist. (X)HTML und der in Wikis gängige Syntax sind diesbezüglich deutlich komfortabler zu nutzen.

Standardmässig ist LaTeX auf amerikanische Bedürfnisse ausgerichtet. Um LaTeX im deutschsprachigen Raum sinnvoll nutzen zu können, muss man entsprechende Klassen und Skripten verwenden, im Besonderen zu erwähnen sind «KOMA-Script» und das «Babel»-Paket. Letzteres kennt leider keine Einstellungen für die Schweiz … 🙁

LaTeX wird häufig als perfektes Austauschformat angepriesen, das auch nach Jahren noch das Kompilieren von Dokumenten ermöglicht. In der Realität scheitert dieser Anspruch leider oft an spezifischen Paketen und Skripten, die für das korrekte Kompilieren benötigt werden. Ich verlasse mich deshalb nicht auf LaTeX als Austauschformat, sondern verwende PDF, zumal LaTeX und PDF problemlos zusammenspielen. Definitiv untauglich ist LaTeX für das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten – muss ich dafür nicht Microsoft Word verwenden, nutze ich gerne Google Docs.

Immer wieder muss LaTeX als angebliche Alternative zu Microsoft Word herhalten. Mit LaTeX und Microsoft Word kann man ohne Zweifel Textverarbeitung betreiben, aber da sich der jeweilige Weg zum Ziel gar deutlich unterscheidet, halte ich die Betrachtung von LaTeX und Microsoft Word als direkte Alternativen für falsch. Gerade für kurze Texte (ohne bestehende LaTeX-Vorlage) nutzen auch viele LaTeX-Anwender andere Anwendungen wie Microsoft Word, NeoOffice/OpenOffice.org Writer oder iWork Pages. All diese Programme taugen mittlerweile übrigens auch für längere Texte und ich bin es inzwischen sogar gewohnt, Manuskripte für Publikationen auch bei professionellen Verlagen im Microsoft Word-Format abgeben zu müssen … 🙁

Die Steilheit der Lernkurve für LaTeX ist berühmt-berüchtigt. Mit geeigneten Vorlagen und passenden LaTeX-Anwendungen – für den Mac ist die erwähnte MacTeX-Distribution empfehlenswert – entfällt aber zum Glück vieles davon. Gilt es tatsächlich zu lernen, kann LaTeX aber wirklich zu einer Herausforderung werden, sowohl zeitlich als auch für die eigenen Nerven. Anleitungen, Tipps, usw. findet man zwar zahlreich, aber die Angaben variieren und vieles ist veraltet. Hinzu kommt, dass sich viele Anleitung ausführlich mit der Geschichte von LaTeX und dem Aufzählen von LaTeX-Syntax befassen anstatt in den Schreibprozess einzuführen. Letztlich muss man selbst herausfinden, was für die eigenen Zwecke taugt, was bedauerlicherweise viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Wer beispielsweise plant eine zeitkritische Arbeit mit LaTeX zu verfassen, sollte also schon einige Zeit vorher mit Üben beginnen – im Idealfall ist eine passende Vorlage vorhanden und der Zeitaufwand gering, ansonsten aber gerät man dadurch nicht in unnötige Zeitnot! 😉

… im deutschsprachigen Raum eine wichtige LaTeX-relevante Anlaufstelle ist DANTE (Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V.), jedenfalls für alle, die (noch) mit Web 1.0-artigen Websites klarkommen. Wer mit LaTeX in direktem Klartext Probleme bekundet, kann sein Glück allenfalls mit LyX versuchen; ich persönlich bevorzuge TeXShop, sehe aber bei anderen Anwendern, dass sich LyX mit «WYSIWYM» durchaus bewähren kann.

Die Kommentarfunktion ist wie üblich geöffnet, Anregungen, etc. sind herzlich willkommen … 🙂

32 Comments

  1. Asmus
    2. Mai 2008

    Tja, TeXen ist halt nicht einfach. Mehr kann man da kaum sagen 😉
    Ich selber würde es auch nie als echte Alternative zu Word sehen, in manchen Bereichen (Satz von Formeln, Layouterstellung, …) kann es dies allerdings um Längen schlagen.
    Als einziges Argument verstehe ich das mit den Fremd-Fonts nicht ganz; probier doch bitte mal XeLaTeX aus, das klappt bei mir (bei Bedarf) wunderbar!

    Ah und ich hoffe das mit Google Docs (gerade aus Datensicherheit) war nicht so ernst gemeint, oder?

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  2. Martin (MacMacken)
    2. Mai 2008

    Als einziges Argument verstehe ich das mit den Fremd-Fonts nicht ganz; probier doch bitte mal XeLaTeX aus, das klappt bei mir (bei Bedarf) wunderbar!

    Das sehe ich mir gerne an, vielen Dank!

    Ah und ich hoffe das mit Google Docs (gerade aus Datensicherheit) war nicht so ernst gemeint, oder?

    Datensicherheit ist nicht immer notwendig … aber es stimmt, häufig kommt (ironischerweise) gerade aus diesem Grund Microsoft Word zum Einsatz, das heisst man mailt sich gegenseitig die überarbeiteten Versionen, dies dann wiederum häufig unverschlüsselt. Ein Thema für sich! 🙁

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  3. Martin (MacMacken)
    2. Mai 2008

    Für andere XeLaTeX-Interessierte, die mit MacTeX arbeiten: http://scripts.sil.org/cms/scripts/page.php?site_id=nrsi&item_id=xetex_texshop (noch nicht ausprobiert, müsste aber eigentlich funktionieren).

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  4. Kay
    2. Mai 2008

    Man sollte vielleicht noch BibDesk (http://bibdesk.sourceforge.net/) erwähnen, womit man seine Literatur verwalten kann.

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  5. Christian
    2. Mai 2008

    Ich fand den SPON Artikel merkwürdig. Da LaTex ja mehr auf das Setzen von Text als das Verfassen abzielt, sehe ich eher z.B. TextEdit als schlanke Alternative.

    Ich muss aber sagen, nachdem ich mich seit 6 Monaten intensiver mit LaTex beschäftigt habe, begann es richtig Spaß zu machen. Man kennt die nötigen Formelbefehle und der gestochen scharfe Satzbau macht alles wett.

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  6. christian
    2. Mai 2008

    Hell, yes, wer mehr als eine mathematische Formel im Text haben will, ist mit LaTeX tausend mal besser bedient als mit Word.

    OpenOffice beherrscht übrigens soweit ich weiss eine ähnliche Syntax für den Formel-Satz.

    Anektode am Rande: Ich habe mich damals im Gymnasium zum ersten Mal mit LaTex beschäftigt und las ganz unschuldig das Buch ‚LaTeX für Anfänger‘ und wunderte mich über all die komischen Blicke die mir zugeworfen wurden… 🙂

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  7. Niels
    2. Mai 2008

    Hi,
    ich will nicht meckern, aber dein Artikel macht den Eindruck als wäre Deine Einarbeitung in Latex eher dürftig gewesen. Die sinnvolle Nutzung auf Deutsch setzt bspw. keinesfalls gleich Boliden wie Komascript voraus, usepackage{german} reich i.d.R. völlig wenn man nicht die zusätzlichen Koma-Features wie Satzspiegeljustierung benötigt. Auch die Sache mit den Schriften hat durchaus Gründe (technische wie logische…), da bietet wiederum die Komascript-Manual einen spannenden Absatz zu den man jetzt hier nicht unbedingt wiederholen muss…
    Und das Latex für das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten untauglich wäre? Also in unserem Unternehmen wird teilweise mit 30 Leuten eines Teams per CVS an Dokumentation in LaTeX geschrieben.. Völlig schmerzfrei. Was war das ein Krampf als wir noch Word benutzt haben…
    Also, ich will wie gesagt nicht meckern, aber ich weiß nicht so recht….

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  8. Moritz
    2. Mai 2008

    Ich habe eine Semesterarbeit mit Latex geschrieben. Das war zu Zeiten von Openoffice 1.0 . Damals war MS Word echt unbrauchbar. Heute braucht imho niemand mehr Latex! Besonders wenn jemand mit einem wysiwyg Latex Editor arbeitet, kann er gleich mit Openoffice schreiben.

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  9. christian
    2. Mai 2008

    @Moritz: Da liegst du ziemlich falsch: In den naturwissenschaftlichen Richtungen wird heutzutage praktisch ausschliesslich mit LaTeX geschrieben und publiziert.

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  10. Olli
    2. Mai 2008

    Hi!

    Hätte eine Frage. Kann mir jemand sagen, welches LaTeX Paket ich benötige, um unter OS X in LaTeX chemische Formel darstellen zu können?

    Danke

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  11. wulf
    2. Mai 2008

    Wie Niels schon anmerkte, es gibt nichts besseres als LaTeX um mit mehreren Leuten gleichzeitig an einem Dokument zu arbeiten. Man muß nur eine Versionsverwaltungssystem alá CVS oder SVN benutzen, dann klappt das alles wunderbar. Und Probleme mit verschiedenen Betriebssystemen haben wir auch nicht, wir schreiben unserer Texte mit Hilfe von OS X, Windows, Linux und sogar teilweise Solaris aus und es gab bisher überhaupt keine Probleme in dem Bereich. Bei WYSIWYG Editoren hat man mit solchen Konstellationen nur Probleme…

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  12. Martin (MacMacken)
    2. Mai 2008

    @Kay:

    Man sollte vielleicht noch BibDesk (http://bibdesk.sourceforge.net/) erwähnen, womit man seine Literatur verwalten kann.

    BibDesk kann ich auch empfehlen; bei der MacTeX-Distribution ist es standardmässig dabei.

    @Niels: Du darfst gerne «meckern», zumal Du sehr konstruktiv «meckerst» … 🙂

    @Moritz, christian:

    @Moritz: Da liegst du ziemlich falsch: In den naturwissenschaftlichen Richtungen wird heutzutage praktisch ausschliesslich mit LaTeX geschrieben und publiziert.

    Diese Erfahrung kann ich bestätigen … hört man sich ein wenig um, ist gerade für Naturwissenschaftler LaTeX völlig normal, quasi der 08/15-Weg um zu publizieren.

    @wulf: CVS/SVN kenne ich ein wenig vom Programmieren her … aber gibt es dafür Hilfsprogramme, die CVS/SVN bürotauglich machen?

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  13. Dölfi
    2. Mai 2008

    Ich verwende Babel mit ngerman, war bei mir in der ersten Template drin. Was ist der Unterschied zwischen ngerman und german? swissgerman habe ich bis heute nicht gefunden, das wäre noch etwas!

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  14. Zettt
    2. Mai 2008

    Ich sags ganz kurz:
    {Huge LaTeX{} rockt !!!}
    😉

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  15. Anonymous
    2. Mai 2008

    Mich nervt an LaTeX, das ein Dokument aus mehr als einem File besteht. Hallo, Paketformat, schon davon gehört?

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  16. wulf
    2. Mai 2008

    @MacMacken: Ich kenne jetzt so kein Tool, was CVS/SVN bürotauglich macht… Um CVS/SVN benutzen zu können, muß man vorher auch wissen wie das funktioniert, ich persönlich mach das gerne mit Hilfe der Kommandozeile… Unter Windows benutz ich allerdings Tortoise http://www.stroica.com/fehlerhafte-links/, welches SVN gut in den Windows Explorer integriert…

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  17. Max
    3. Mai 2008

    CVS für gemeinsames Arbeiten an Docs? Nicht bürotauglich, ganz simpel. Schon gar nicht über mehrere Unternehmen hinweg.

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  18. christian
    3. Mai 2008

    Was ist denn mit euch los? Wer LaTeX beherrscht wird auch mit Kommandozeilen, CVS/SVN-Servern und mehrere Dateien klar kommen… Alle anderen dürfen Word-Dokumente herummailen. Viel Spass.

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  19. Max
    3. Mai 2008

    Am besten auch gleich noch die GUI abschalten, gell!? Kein Wunder ist LaTeX so irrelevant dort, wo es um Geld verdienen geht!

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  20. christian
    3. Mai 2008

    Kenne deine Tools.

    LaTeX ist nicht primär für den Büroalltag gedacht, es dort zu verwenden zeugt entweder von technischer Kompetenz oder von technischer Inkompetenz. 🙂

    Aber frag mal deinen Verleger ob er dein neuestes 1000-Seiten-Manuskript lieber im .DOC-Format oder als LaTeX-Quelle haben möchte.

    Egal, jeder hat die Wahl. Ich für meinen Teil lasse meinen Mac jetzt schlafen und gehe an die Sonne. Schönes Wochenende.

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  21. Max
    3. Mai 2008

    Ich habe keinen Verleger. Aber beide Bücher, an denen ich mitgemacht habe, mussten also Word abgegeben werden. Man hat keine Ahnung, wie inkompetent Verleger sind!

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  22. kusmi
    9. Juli 2008

    latex ist nicht einfach, da gebe ich Euch recht – aber die output-qualität ist immer noch um Längen besser als andere Programme.

    Für meine Diplomarbeit und technischer Unterstützung mehrerer Diplom und Doktorarbeiten haben wir allerdings LyX (www.lyx.org) genommen.

    LyX – Das ist ein Graphischer Aufsatz der auf eine bestehende Latex-Installation aufsetzt. Wenn man mal alles installiert hat – kann man damit recht elegant arbeiten, ohne die latex-Grundlagen zu kennen, alles geht schön grafisch und der output ist sehr schön (wird mit pdflatex generiert, als Beispiel)

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  23. Martin (MacMacken)
    12. Juli 2008

    LaTeX ist in der entsprechenden Nische durchaus eine valable Alternative … ausserhalb dieser Nische findet aber nicht umsonst WYSIWYG-Software Verwendung – dieser Realität sollte man sich nicht verschliessen, auch wenn es studentischen LaTeX-Anhängern schwer fällt.

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  24. peter
    15. Juli 2008

    Was ist eigentlich so problematisch daran, Word Dokumente als Email-Anhang zu versenden. (natürlich vorherige Virenprüfung und Verschlüsselung vorausgesetzt)

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  25. Kay
    16. Juli 2008

    Ganz einfach. Word ist kein Standard und gibt es nicht für alle Systeme. Wenn es sich im komplexe Word-Dokumente handelt, bekommt man mit alternativen Programmen wie OpenOffice oder iWork Probleme. Am besten schickt man Text oder PDFs.

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  26. Martin (MacMacken)
    16. Juli 2008

    Was ist eigentlich so problematisch daran, Word Dokumente als Email-Anhang zu versenden. (natürlich vorherige Virenprüfung und Verschlüsselung vorausgesetzt)

    Es besteht kein Problem, solange alle Beteiligten mit dem Dateiformat umgehen können – im Geschäftsleben ist dies meiner Erfahrung nach der Fall, wobei für Dokumente, die nur gelesen werden müssen, üblicherweise PDF verwendet wird.

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  27. Simon
    7. November 2008

    Schonmal mit http://www.lyx.org versucht?
    Ist suuper, zum TeXen.
    Mal ausprobieren 😉

    Geht super für Mathe, für Texte,…
    muss man sich nen bissl reinfummeln, dann gehts wie geschmiert!

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  28. Martin (MacMacken)
    26. Juni 2009

    Hörtipp: Tim Pritlove/Chaosradio Express (CRE) über LaTeX – viel Spass! 🙂

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  29. Anonymous
    5. Juli 2009

    Ein spezielles Abenteuer sind nicht-westliche Sprachen, z.B. Chinesisch. LaTeX unterstützt eigentlich nur Schriften mit maximal 255 Zeichen. Also kein UTF-8. Man muss deshalb mühsam basteln für solche Sprachen.

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