5 × Populäre Irrtümer rund um NeoOffice

NeoOffice ist ein natives Office-Paket für den Mac, das auf OpenOffice.org basiert. In Mac-Diskussionsforen und anderswo kursieren viele Irrtümer im Zusammenhang mit NeoOffice, insbesondere auch seit dem Erscheinen der nativen Mac-Version von OpenOffice.org. Nachfolgend finden sich deshalb Klarstellungen zu fünf besonders populären Irrtümern rund um NeoOffice – um Rückmeldungen dazu wird ausdrücklich gebeten, damit dieser Blogeiintrag entsprechend aktualisiert, erweitert und verbessert werden kann …

Populärer Irrtum #1 – NeoOffice ist ein Klon von OpenOffice.org

Falsch, NeoOffice ist kein Klon von OpenOffice.org (OOo), sondern eine speziell für den Mac erweiterte Variante von OOo. NeoOffice basiert auf OOo und ergänzt dieses mit zahlreichen Mac-spezifischen Verbesserungen. Aus diesem Grund läuft NeoOffice sehr stabil, ist häufig schneller als OOo und verfügt über zahlreiche Mac-spezifische Funktionen.

OOo wird primär für Microsoft Windows sowie Linux entwickelt, danach erst erfolgt die Umsetzung auf den Mac, ohne dass SUN jedoch viel Wert auf «Mac-Likeness» legen würde. NeoOffice korrigiert diesen Umstand und verbessert OOo gezielt für den Einsatz auf dem Mac – Beispiele dafür sind der Verzicht auf den unsäglichen Eingangsbildschirm, die hervorragende Unterstützung für «exotische» Sprachen wie Arabisch, Hebräisch oder Japanisch, die Optimierung der PDF-Exportfunktion, die Integration von EPS oder die verbesserte Office Open XML (OOXML)-Unterstützung.

Hinzu kommt bei NeoOffice die vorbildliche Unterstützung für die Benutzer über das «Trinity»-Diskussionsforum. Die NeoOffice-Entwickler beteiligen sich äussert aktiv an den Diskussionen im Forum und beantworten Benutzerfragen normalerweise innert Stunden oder noch schneller. Fehler in NeoOffice werden durch die Entwickler sehr schnell behoben, üblicherweise erhält man bereits Stunden nach einer Fehlermeldung einen entsprechenden Patch.

Für Benutzer, die noch mit einem PowerPC-Mac arbeiten, hat NeoOffice darüber hinaus den Vorteil, die PowerPC-Plattform weiterhin offiziell zu unterstützen.

Populärer Irrtum #2 – NeoOffice ist langsamer als OpenOffice.org

Falsch, NeoOffice als Anwendung ist nicht langsam und läuft auch nicht langsamer als OpenOffice.org (OOo). Da NeoOffice auf OOo basiert, laufen beide Anwendungen mit sehr ähnlicher Geschwindigkeit – je nach Aufgabe ist NeoOffice oder OOo schneller. Die NeoOffice-Variante von OOo ist schon wesentlich länger für den Mac verfügbar als das native OOo und entsprechend ist NeoOffice in vielen Bereichen besser für den Mac optimiert als OOo.

Auf einem aktuellen Mac läuft NeoOffice im Arbeitsalltag weder langsam noch ist diesbezüglich ein (relevanter) Unterschied zu OOo festzustellen. Im Vergleich zu Microsoft Office hingegen – sowohl in Version 2004 als auch 2008 – fallen NeoOffice und OOo in der Geschwindigkeit leider deutlich ab.

Populärer Irrtum #3 – NeoOffice ist veraltet

NeoOffice basiert nicht auf der allerneusten Version von OpenOffice.org (OOo) – die momentan stabile NeoOffice-Version 2.2.5 beispielsweise basiert auf OOo in einer 2er-Version. Hauptgrund dafür ist der Fokus von NeoOffice auf Stabilität, weshalb die Mac-Integration von OOo häufig mit NeoOffice-eigenem Quelltext erfolgt und nicht mit jenem von SUN für OOo in der Mac-Version. Die NeoOffice-Entwickler verfügen über jahrelange Erfahrung mit der Umsetzung von OOo auf dem Mac und entsprechend stabil läuft NeoOffice.

NeoOffice ist trotz scheinbar älterer Versionsnummer im Funktionsumfang dennoch jeweils mit der neusten OOo-Version vergleichbar oder enthält sogar zusätzliche Funktionen. NeoOffice 2.2.5 beispielsweise unterstützt bereits die Grammatikprüfung von Mac OS X 10.5 «Leopard» und kann mit dem Office Open XML-Format von Microsoft umgehen.

Populärer Irrtum #4 – NeoOffice ist eine JAVA-Anwendung

Falsch, NeoOffice ist keine JAVA-Anwendung. NeoOffice ist eine native Mac OS X-Anwendung, die JAVA lediglich zum Darstellen der Benutzeroberfläche – Stichwort «Aqua» – und für die Mac-spezifische Konfiguration nutzt. NeoOffice teilt sich rund 99 Prozent Quelltext mit OpenOffice.org (OOo) und ist deshalb genauso wie OOo mehrheitlich in der Programmiersprache C++ geschrieben.

Gemäss Angaben bei «Ohloh» besteht NeoOffice aus rund 300’000 Zeilen Quelltext. Rund 14’00 Zeilen davon sind in JAVA geschrieben, etwa gleich viel wie in Objective-C. Im Lauf der NeoOffice-Entwicklung wurde der Anteil an JAVA-Quelltext ständig kleiner.

Populärer Irrtum #5 – NeoOffice ist kostenpflichtige Software

Falsch, NeoOffice ist freie Open Source-Software und die jeweils stabile Version kann kostenlos per Download bezogen werden.

Kostenpflichtig ist hingegen die NetFixer. Wer für die Entwicklung von NeoOffice spendet, kann neue NeoOffice-Versionen bereits vor dem offiziellen Veröffentlichungsdatum legal in binärer Form, das heisst als direkt lauffähige Anwendung, beziehen – momentan kann man mit einer Spende ab etwas mehr als 20 Franken am «Early Access Program» teilnehmen.

Mit der Teilnahme am «Early Access Program» unterstützt man NeoOffice nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch direkt bei der Entwicklung. Die «Early Access Programm»-Versionen von NeoOffice sind jeweils noch nicht stabil genug für die offizielle Veröffentlichung und so muss man nicht nur mit Fehlern rechnen, sondern sollte entdeckte Fehler auch an die Entwickler melden. Wer Wert auf Stabilität legt, sollte im produktiven Einsatz die jeweils stabile Version von NeoOffice verwenden – Spenden sind auch so möglich und erwünscht

Für den Zugriff auf den Quelltext der allerneusten NeoOffice-Versionen ist selbstverständlich keine Teilnahme am «Early Access Program» notwendig. Der Quelltext ist wie bei jeder freien Open Source-Software verfügbar und kann kompiliert werden.

Fazit – Wieso NeoOffice, insbesondere im Vergleich zu OpenOffice.org?

Patrick Luby, Hauptentwickler von NeoOffice, formuliert es in etwa so:

Niemand soll zu NeoOffice bekehrt werden, schon gar nicht in Konkurrenz zu OpenOffice.org (OOo). Wer OOo als schnell und stabil empfindet, keinen Support benötigt oder keinen Wert auf PowerPC-Unterstützung legt, sollte weiterhin OOo verwenden. NeoOffice andererseits bietet die Hauptvorteile einer äusserst effizienten Unterstützung für die Benutzer sowie die Orientierung an Stabilität und Geschwindigkeit statt an ständig neuen Versionen von OOo.

Geschwindigkeit, Stabilität, Support sowie einige exklusive Funktionen gegenüber OOo haben auch mich vom Umstieg von NeoOffice auf OOo in der nativen Mac-Version abgehalten. OOo probierte ich einige Wochen aus, danach löschte ich es wieder; stattdessen bemühe ich mich nun um eigene (bescheidene) Beiträge an die NeoOffice-Entwicklung und spende über das «Early Access Program» … 🙂

P.S.: Das im Blogeintrag mehrfach zu sehende Schiff stellt das offizielle Logo von NeoOffice dar. Das Schiff steht dafür, dass NeoOffice als Projekt ursprünglich Neuland betrat, nämlich das Portieren von OpenOffice.org auf den Mac, also quasi eine Entdeckungsfahrt hin zu neuen Ufern und entgegen viel Skepsis bei Beobachtern – erfreulicherweise war und ist das Projekt erfolgreich! 😀

24 Comments

  1. Peter
    10. Februar 2009

    Auch ich bleibe bei NeoOffice. Nach aktuellem Stand ist es die beste Open-Source-Office-Suite auf dem Mac und wird es wohl auch noch in näherer Zukunft bleiben. Unterstützt zum Beispiel auch die Apple Remote für Präsentationen…es ist fraglich, ob sich die Open-Office-Entwickler auch solche Mac-Details konzentrieren werden und hier aufholen, aber die Zukunft wird es zeigen.

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  2. Arthur
    15. Februar 2009

    Ich bin, nach ernsthaften Problemen mit OO, auf NeoOffice umgestiegen. Auch gibt es für mich einige Dinge, die in OO nicht funktionieren, dafür aber in NO

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  3. Martin (MacMacken)
    15. Februar 2009

    NeoOffice ist auch nicht perfekt, aber ich schätze, dass ich etwaige Fehler direkt an die Entwickler melden kann und dann sofort eine Rückmeldung erhalte – mit einer Erklärung oder einer Problemlösung … 🙂

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  4. Robby
    15. Februar 2009

    Zum Glück gibt es Open Office, zum Glück gibt es Neo Office!

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  5. MaChatter
    7. März 2009

    Danke für den Vergleich!

    Eigentlich schade und Verschendung, dass jetzt 2 Programmierergruppen gleichzeitig an der selben Office Suite für Mac arbeiten.

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  6. Martin (MacMacken)
    7. März 2009

    Eigentlich schade und Verschendung, dass jetzt 2 Programmierergruppen gleichzeitig an der selben Office Suite für Mac arbeiten.

    Ich bin anderer Meinung: NeoOffice basiert auf OOo und basiert entsprechend von dessen Weiterentwicklung … umgekehrt profitieren OOo-Benutzer auf dem Mac davon, dass es NeoOffice gibt, denn ansonsten würden die Mac-Anpassungen von OOo noch langsamer vorangehen.

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  7. nggalai
    8. März 2009

    Auch ich bleibe NeoOffice treu. Was vorwiegend auch daran liegt, daß ich OOo / NeoOffice nur sehr, sehr selten benutzen muß. Und wenn, dann hätte ich gerne eine Applikation, die zumindest zum größten Teil gut in OS X integriert ist.

    OOorg 3.x hatte ich ausprobiert und nach einer Woche wieder von der Platte geschmissen. Mein Hauptproblem war eigentlich ein ganz ganz kleines: Kein Dokument-Icon in der Titelleiste. Da ich das Icon ständig zum Taggen von Dokumenten einsetze, unverzichtbar.

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  8. Anonymous
    15. März 2009

    NeoOffice ist meiner Meinung nach besser als OO und auch sogar (noch) M$O’08. Einzig Office:Mac 2004 läuft hier noch stabiler und viel schneller als NeoOffice.
    Apples iWork holt übrigens deutlich auf, auch das sollte mal gesagt werden.
    😉

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  9. Martin (MacMacken)
    31. März 2009

    Ab sofort ist NeoOffice 3.0 zum Download frei verfügbar! 🙂

    http://www.neooffice.org/neojava/de/download.php#download

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  10. Anonymous
    31. März 2009

    Hi,
    unter #1 schreibst Du NeoOffice hätte eine bessere OpenDocument (ODF) Unterstützung als OpenOffice. Sollte das nicht eher Office Open XML (OOXML) heißen. Die ODF-Unterstützung von Neo- und OpenOffice sollte ziemlich identisch sein, oder hast Du hierfür Quellen?

    Grüße

    Reply
  11. Anonymous
    1. April 2009

    Du bittest um Rückmeldung. Gern.
    Schreib‘ mal „äußerst“ richtig. Das scharfe S wurde nicht abgeschafft.

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  12. nggalai
    1. April 2009

    Anonym gerade über mir: Macmacken ist eine Schweizer Website. Seit 1930 oder so ist zwar das Eszett nicht verboten, aber nicht gebräuchlich und in der Regel nicht gerne gesehen. Die NZZ hat’s Mitte der 70er auch abgeschafft.

    Jaja, die Alpenrepublik … 😉

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  13. Martin (MacMacken)
    1. April 2009

    @Anonymus:

    Schreib’ mal “äußerst” richtig. Das scharfe S wurde nicht abgeschafft.

    Wie nggalai schon geschrieben hat: Das Eszett findet in der Schweiz keine Verwendung. So steht es übrigens auch in der MacMacken-FAQ:

    http://www.stroica.com/was-ist-stroica-com/agb/

    Reply
  14. Martin (MacMacken)
    1. April 2009

    @Anonymus:

    unter #1 schreibst Du NeoOffice hätte eine bessere OpenDocument (ODF) Unterstützung als OpenOffice. Sollte das nicht eher Office Open XML (OOXML) heißen. Die ODF-Unterstützung von Neo- und OpenOffice sollte ziemlich identisch sein, oder hast Du hierfür Quellen?

    Du hast Recht, gemeint ist OOXML und nicht ODF – ich korrigiere den Fehler gleich im Blogeintrag – danke für den Hinweis!

    Reply
  15. ich
    1. April 2009

    Wenn nur dieses Logo (NO) nicht so grauenhaft wäre, ja ich weiss ist sehr nebensächlich, aber bei jedem Start kommt es unter meine Augen, da ist das von OO schreiend modern dagegen

    Reply
  16. Martin (MacMacken)
    2. April 2009

    @ich: Stimmt, das Logo ist nicht mehr zeitgemäss … gestaltest Du ein neues? 😉

    Reply
  17. Anonymous
    2. April 2009

    Zum Thema Logo gibts in den Trinity-Foren anscheinend auch schon diverse Diskussionen:

    http://trinity.neooffice.org/modules.php?name=Forums&file=viewtopic&t=5532&start=0&postdays=0&postorder=asc&highlight=

    Dieses Set ist sicherlich Geschmackssache – insbesondere die Anlehnung an MS Office – sieht aber schon was moderner aus

    http://leonico.deviantart.com/art/NeoOffice-mac-70156605

    Reply
  18. Marc
    2. Juli 2009

    Bei Heise Open Source gelesen:

    „Support“ heißt bei NeoOffice, dass die Entwickler selbst die Fragen
    beantworten. Letztendlich helfen die anderen in der Community auch
    weiter und außerdem kann man Tipps&Tricks für OO auch auf NeoOffice
    anwenden.

    NeoOffice basiert außerdem auf Go-OO und nicht aus Suns OO, was schon
    mal ein Grund ist, weshalb NeoOffice besser ist (praktisch jede
    Linux-Distro liefert nicht umsonst Go-OO anstelle von Sun OO mit —
    Fedora ist die einzige große Ausnahme, weil Red Hat einen eigenen
    Fork pflegt).

    Ansonsten hat NeoOffice unzählige kleine Mac-spezifischen Features,
    die jeweils für sich genommen nicht die Welt bedeuten, aber in der
    Summe das Arbeiten viel praktischer machen.
    Außerdem gibt es von NeoOffice eine PowerPC-Version. Von Sun OO
    nicht.

    http://www.heise.de/open/news/foren/S-Re-Wenn-ich-die-Wahl-habe-Warum-NeoOffice-OpenOffice/forum-161721/msg-16994304/read/

    Reply
  19. Jochen
    3. Juli 2009

    Hallo
    Bei #1 steht: „Open Office XML (OOXML)-Unterstützung“.
    Korrekt sollte „Office Open XML (OOXML)-Unterstützung“ sein.

    Reply
  20. ulrich_001
    14. Juni 2011

    14.06.2011 zu Kommentar:
    @“..Populärer Irrtum #5 – NeoOffice ist kostenpflichtige Software

    Falsch, NeoOffice ist freie Open Source-Software und die jeweils stabile Version kann kostenlos per Download bezogen werden..“

    Leider ist NeoOffice 3.2 , welches für die weiteren Patches benötigt wird, jetzt „kostenpflichtig“, denn ohne finanzielle Spende läuft nichts mehr mit download ,um aktuell zu bleiben.
    MfG
    Ulrich_001

    Reply
  21. Corallw
    27. August 2011

    Das NeoOffice kostenlos sei, ist glatt gelogen!

    Nur die Version 3.1.2 ist kostenlos für 3.2 und 3.2.1 muss gezahlt werden:

    https://www.neooffice.org/neojava/de/mirrors.php?file=NeoOffice-3.2-Intel.dmg#download

    Natürlich machen solchen Entwicklungen Arbeit und kosten Zeit. Mich stört nur die Lüge hier un dmachen das ganze Projekt unseriös.

    Reply

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