«Next: A better Mail» – Wirklich? 6 × Macken in iOS Mail

Gastbeitrag von MacMacken-Leser Simon Ingrisch

In iOS 4.0 hat Apple eine längst überfällige neue Version von Mail herausgebracht, die endlich Features wie einen gemeinsamen Posteingang oder Sortierung der Mails nach „Fäden“ (Threads) mit sich brachte. Dennoch: die neuen Features hätten mehr sein können.

So wäre es beispielsweise schön, wenn nicht nur der Posteingang überarbeitet worden wäre. Wer einen regen Email-Austausch führt, muss auch des öfteren auf selbst gesendete Emails zurückgreifen – von daher wäre es auch sehr hilfreich, wenn der „Gesendet“-Ordner gemeinsam für alle Accounts präsentiert werden könnte, selbiges gilt natürlich auch für den „Entwürfe“-Ordner. Dass selbst erstellte Ordner auf dem Server in einer gesammelten Liste und nicht nur in der eigenen Account-Spalte präsentiert werden, wagen wir mal nicht zu hoffen.

Wer viele Email-Accounts hat, der hat meistens auch gute Gründe, warum er nicht all seine Mails in ein Account packt – etwa ein privates Account, ein geschäftliches, eines für Internetabonnements und eins zur Reserve. Nun macht es aber einen äußerst unseriösen Eindruck, wenn Geschäftsemails mit einem Satz enden wie „Von meinem iPad gesendet“, während man bei Privaten nicht unbedingt jedes mal seine Firmenadresse mitschicken will. Mail in iOS 4.2 erlaubt einem aber nur eine Signatur für alle Accounts – oder gar keine. Ein weiterer Punkt Abzug für das mobile Mail.

Auch sehr wichtig ist das direkte Anwenden von Regeln auf dem Device. Wenn ein Webmail-Server keine direkten Email-Regeln auf dem Server erlaubt, kann man bisher stets zu Mail greifen – aber nur auf dem Mac; neue Mails auf dem iPad landen so stets im Posteingang und werden erst in andere Ordner verpackt bzw. weitergeleitet, wenn man den Desktop-Mail-Clienten startet. So eine grundlegende Funktion sollte in einem OS, bei dem Apple mit „tollen neuen Buissness-Features“ wirbt,  nun wirklich nicht fehlen.

Ebenso wäre es aber auch praktisch, wenn man Fotos zum Versenden direkt aus Mail heraus auswählen und an eine Email anhängen könnte, so wie Mail in Mac OS X auch einen Medienbrowser hat. Natürlich kann man in der Foto-App Fotos auswählen, aber zum einen kann man jeweils nur Fotos aus einem Album bzw. Ereignis oder Gesicht in eine Email packen, nicht aus mehreren zugleich; wenn man das doch will, geht es wieder umständlich mit Copy&Paste ran. Zum anderen stelle man sich vor, man hat gerade eine schöne Email an seinen Bekannten verfasst und möchte noch schnell das neueste Foto anhängen, was zur Folge hat, dass man erstmal in die Fotos-App wechselt, das Foto auswählt, auf „Per Email versenden“ klickt und feststellt, dass es in eine ganz neue Email gepackt wird. Zu kompliziert für ein iDevice? Wohl kaum.

Außerdem wäre es doch gerade für ein Konsumerdevice wie das iPhone oder iPad sehr passend, wenn Apple die Email-Vorlagen aus Apple Mail mit eingebunden hätte, mit denen man andere Menschen dann so herrlich beeindrucken kann … schließlich beherrscht das mobile Mail theoretisch HTML, und die Bedienung und das Einsetzen von Text und Bildern in eine solche Vorlage dürfte auch benutzerfreundlich sein. Auch der Speicherplatz kann kein Argument sein, schließlich haben im Posteingang bis zu 200 Emails Platz, viele davon sicherlich formatiert – da dürften ein paar Handvoll Vorlagen auch nicht zu viel verlangt sein.

Und zu guter letzt: man kann im mobilen Mail keinerlei Formatierungen in einer Email wie etwa Kursiv oder Fett anwenden. Nicht dass man das stets machen müsste, aber angenommen, man kopiert einen Text in die Email, wo nervige Formatierungen enthalten sind, und will diese mal eben ausmerzen, dann könnte man damit etwas länger beschäftigt sein.

A better mail – but not the best we can imagine, Steve!

14 Comments

  1. Dominic
    23. November 2010

    Du hast den nicht vorhandenen Spam-Filter vergessen 😉
    Das ist wie ein Auto ohne Dach herzustellen – wenns regnet muss man halt „manuell“ nen Regenschirm aufklappen^^
    Jeder 0815 Desktop Mail Client kann mehr als iOS Mail.
    Gibts da evtl. gute Alternativen? Bin noch neu im Bereich iOS 🙂

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    • Martin (MacMacken)
      23. November 2010

      Du hast den nicht vorhandenen Spam-Filter vergessen 😉

      Sollte man Spam (genauso wie Viren und sonstige schädlichen E-Mail-Bestandteile) nicht sowieso auf dem Mailserver filtern lassen?

    • Dominic
      23. November 2010

      Ja klar, aber es kommen halt immer wieder welche durch. Unter OS X erkennt Mail diese dann und schiebt sie gleich in den Junk Ordner bzw. man kann entscheiden was damit passiert.
      Die meisten Email-Provider sind sehr gut beim filtern, aber an manchen Tagen merkt man richtig, wenn die Spamer einen neuen Weg gefunden haben Filter zu umgehen – da kommt dann gut was durch.
      Es soll ja Leute geben, die hunderte Spam-Mails am Tag bekommen…
      Stell ich mir jetzt nicht so lustig vor ohne eingebauten Spam-Filter 😉

    • der Denkende
      23. November 2010

      Verwende GMail, da hast du keine Probleme. Ich keinen vergleichbaren genau so guten Dienst.

      Zudem Filtert mir Mail am Mac höchstens Dinge raus welche mit garantie kein Spam sind…

    • Martin (MacMacken)
      23. November 2010

      Verwende GMail, da hast du keine Probleme. Ich keinen vergleichbaren genau so guten Dienst.

      Google Mail ist ordentlich, aber nicht ohne Probleme: Die Geschwindigkeit der Benutzeroberfläche ist bisweilen sehr langsam, die Anzeige von maximal 20 Suchergebnissen auf einmal absurd, Offline-Nutzung ist weiterhin nicht möglich und die Adressverwaltung müsste dringend verbessert werden … hinzu kommt die harzige Zusammenarbeit mit Desktop-E-Mail-Anwendungen wie Apple Mail, die nur mit etwas Basteln und Verzicht auf Funktionen möglich ist.

    • Dominic
      23. November 2010

      Jedem das seine 🙂
      Apple könnte ruhig ein paar (hier beschriebene) Funktionen einbauen und einem die Option lassen, was man verwenden will und was nicht.

    • Martin (MacMacken)
      23. November 2010

      Apple könnte ruhig ein paar (hier beschriebene) Funktionen einbauen und einem die Option lassen, was man verwenden will und was nicht.

      Genau … aber diesen Weg ging Apple noch nie – und für Steve Jobs genügt offensichtlich eine einzige Signatur … 😉

  2. ad
    23. November 2010

    Wenn man MobileMe besitzt, kann man zumindest dort die Regeln (global) anlegen. Funktioniert dann auf allen Clients, auch auf dem iPhone.

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  3. der Denkende
    23. November 2010

    Schon etwas lästiges.
    Ich verstehe auch nicht weshalb sie die iOS Mail nicht einfach vom Mac Mail abkupfern können. Ich meine dann könnte man auch alle Signaturen einfach vom Mac mit Synchronisieren.
    Ich persönlich nutze aber eh viel mehr den Mac, da ich dort Software habe, welche nie auf einem iOS Devices erscheinen wird.

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    • Martin (MacMacken)
      23. November 2010

      Ich verstehe auch nicht weshalb sie die iOS Mail nicht einfach vom Mac Mail abkupfern können.

      Apple Mail hätte ebenfalls eine umfassende Erneuerung verdient, insofern verständlich …

      Ich verstehe auch nicht weshalb sie die iOS Mail nicht einfach vom Mac Mail abkupfern können.

      … aber es stimmt, man muss auf Änderungen bei iOS-Mail hoffen, gerade die Beschränkung auf eine einzige Signatur ist weltfremd. Ich muss vollständig auf eine Signatur verzichten oder die vorhandene Signatur jeweils aufwendig löschen, wenn sie nicht passt.

      Ich persönlich nutze aber eh viel mehr den Mac, da ich dort Software habe, welche nie auf einem iOS Devices erscheinen wird.

      E-Mail, die länger als ein, zwei Sätze ist, möchte ich auch nicht auf einem iOS-Gerät schreiben müssen, sofern keine externe Tastatur angeschlossen ist … 😉

  4. red
    23. November 2010

    In zwei Punkten gebe ich Dir recht. Eine Signatur pro Account wäre gerade im geschäftlichen Umfeld eine wirklich tolle Sache. Und auch die Auswahl von Anhängen aus dem Mail-Client fände ich nett.

    Das Sortieren auf dem iOS Client finde ich überflüssig. Vor allem mit der Begründung der Business-Benutzer. Die können im Normalfalls sowieso serverseitig sortieren. Grundsätzlich bin ich sowieso der Meinung, dass Filterregeln auf einem Client (egal welchem) überflüssig sind.

    Auf das Verfassen von HTML-Mails kann ich gut verzichten. Habe diesen Hype noch nie verstanden. Bevor ich von Linux zum Mac gewechselt bin wurde bei mir jede E-Mail als Plain-Text E-Mail angezeigt.

    Die Geschichte mit dem vereinheitlichten Postausgang (und Entwürfe, und …) fände ich auch nett, wenn ich ehrlich bin, habe ich es aber bisher noch nie vermisst.

    red

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    • Martin (MacMacken)
      23. November 2010

      Grundsätzlich bin ich sowieso der Meinung, dass Filterregeln auf einem Client (egal welchem) überflüssig sind.

      Ich finde es mühsam, wenn ich für das Einrichten und Pflegen von Filterregeln aus meiner E-Mail-Anwendung in die Mail-Server-Konfiguration wechseln muss. Ich nutze in erster Linie Google Mail, muss für die Offline-Nutzung aber weiterhin Apple Mail verwenden – und finde dort jeweils schade, dass ich die Google Mail-Filter nicht anpassen kann.

      Auf das Verfassen von HTML-Mails kann ich gut verzichten. Habe diesen Hype noch nie verstanden. Bevor ich von Linux zum Mac gewechselt bin wurde bei mir jede E-Mail als Plain-Text E-Mail angezeigt.

      Formatieren als «Hype»? 😀

      Dafür erscheint mir das Formatieren von Texten viel zu weit verbreitet … es müssen ja nicht gleich Vorlagen à la Apple Mail sein, aber fett und kursiv oder Aufzählungen können sehr nützlich sein. Gleiches gilt auch für eine kleinere Schriftgrösse in der Signatur.

  5. johannes.mac
    23. November 2010

    Nicht vergessen sollte man auch das fehlende S/MIME. Immerhin kann man ja Zertifikate auf dem Gerät installieren. Da sollte das doch möglich sein.

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