WWF mit PDF-DRM gegen «unnötiges» Ausdrucken

Die Naturschutzorganisation WWF möchte unnötiges Ausdrucken von digitalen Dokumenten verhindern und empfiehlt deshalb im Rahmen der aktuellen „>«Save as WWF»-Kampagne, das so genannte WWF-Format für das Abspeichern von E-Mails, Lebensläufen, Websites, usw. zu verwenden:

Täglich sterben ganze Wälder für Papier. Papier, mit dem überall auf der Welt sinnlos Dokumente ausgedruckt werden: Websites, E-Mails, sogar komplette Bücher. Und das, obwohl man Dokumente, statt sie zu drucken, einfach als PDF speichern könnte. Aber auch ein PDF kann man oft noch drucken. Um das unnötige Ausdrucken zu stoppen und den bewussten Umgang mit Papier zu starten, haben wir ein neues, grünes Dateiformat erfunden: das WWF. Ein Dateiformat, das man nicht ausdrucken kann. Eine simple Idee, die Bäume rettet. Machen Sie mit. Bestimmen Sie selbst, was nicht ausgedruckt werden soll, und speichern Sie es im WWF-Format.

Für das Abspeichern in diesem «Format» steht eine entsprechende Mac-Software zum Download zur Verfügung, eine Microsoft Windows-Version soll in Kürze folgen. Nach dem Download liegt das ZIP-Archiv «SAVE_AS_WWF_1.0.pkg.zip» im «Downloads»-ordner, das Entpacken bringt einen Installer für «SAVE AS WWF» zum Vorschein:

Nach der Installation erfolgen keine weiteren Hinweise zur Nutzung der soeben installierten Software, doch ist nun im Druckmenü «SAVE AS WWF» verfügbar:

Nach dem «Drucken» erscheint ein Dialog um die Datei im «WWF-Format» mit der Dateierweiterung .wwf abzuspeichern:

Anschliessend wird versucht, eine unverschlüsselte Verbindung zu www.saveaswwf.com herzustellen:

Per Doppelklick auf die soeben gespeicherte Datei öffnet sich die Anwendung «Save as WWW» aus dem «Programme»-Verzeichnis und zeigt den gespeicherten Text sowie letzte Seite an, wobei die Druckfunktion deaktiviert ist:

Die Anwendung «Save as WWW» selbst ist eine umbenannte und veraltete Version der Mac-PDF-Software «Skim»:

Mit der Erweiterung .pdf lässt sich die Datei mit «Vorschau» öffnen, denn es handelt sich um ein PDF, das infolge einer entsprechenden DRM-Beschränkung nicht (ohne weiteren Aufwand) ausgedruckt werden kann:

Fazit

Aus meiner Sicht ist es äusserst fragwürdig, Kommunikationspartner mittels PDF-DRM zum Verzicht auf das scheinbar unnötige Ausdrucken von digitalen Dokumenten zu zwingen – «nötig» und «unnötig» sollte jeder Empfänger von digitalen Dokumenten selbst bestimmen können. Gleiches gilt für die generelle Nutzung von empfangenen digitalen Dokumenten. An der «Save as WWF»-Software selbst ist störend, dass eine proprietäre Dateierweiterung verwendet wird, die standardmässig auf anderen Systemen nicht mit einer Anwendung zum Öffnen verknüpft ist, und auch online, beispielsweise in Google Mail, nicht genutzt werden kann. Als Macken dazu kommen der intransparente Installer, bei dem nicht klar ist, was genau installiert wird, und das penetrante Heimweh der Software. Und wer die Software wieder entfernen möchte, ist auf lästige Handarbeit angewiesen …

8 Comments

  1. der Denkende
    2. Dezember 2010

    Die Idee finde ich super, allerdings sollten sie die Endung wirklich bei pdf belassen. Sonst muss ich vor dem verschicken jedes mal das wwf in pdf ändern.

    Wobei ich das Ganze ja nicht unbedingt wegen dem Waldschutz haben möchte… 😉
    Ich drucke auch sonst kaum Dinge aus!

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  2. Leon
    2. Dezember 2010

    Super Idee, danke für den Tipp.

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  3. Piper
    2. Dezember 2010

    Das kann von Nutzen sein, kommt aber sehr auf das entsprechende Dokument an. Es gibt Texte, die ich mir einfach ausdrucken muss, um sie bspw. zu korrigieren. Wie können andere Personen abschätzen, was ich ausdrucken will und was nicht? Je mehr Leute in ein Dokument involviert sind, desto mehr dürfte die Sache verkompliziert werden 😉

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  4. Christian
    2. Dezember 2010

    Bei Installern kann man Apfel-i drücken, und sieht dann welche Dateien wohin gepackt werden sollen. Um mal eben drüberzuschauen reicht das meistens. (Ich weiß aber nicht, ob das dann alles ist…)

    Und wenn es eh nur in /Applications entpackt, dann lieber gleich selbst per „Paketinhalt anzeigen“ danach graben. 🙂

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  5. bugsierer
    3. Dezember 2010

    eine klassische furzidee, die schlau aussieht, aber keinen einzigen baum „retten“ wird. wer seinen contet hinter einer druckerwall versteckt, hat doch irgendwie schon verloren, oder? das ist das internet ad absurdum geführt. das problem des hohen papierverbrauchs entsteht sicher nicht dort, wo der opa ein pdf übers baumsterben ausdruckt, um es seinen enkeln zu erklären 😉

    da gabs doch kürzlich mal einen frauenbrowser von der annabelle… das war eine ähnliche furzidee.

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    • berndix
      4. Dezember 2010

      Schlimmer noch ist die Tatsache, dass der WWF sich mit dieser Aktion jede Kompetenz abspricht, denn der Strom kommt zwar aus der Steckdose, dennoch muss er aber teuer (Ressourcen) und aufwändig produziert werden. Des weiteren liest man am Screen ca. 25 % langsamer, was sich auch wieder negativ auf die Energie-Bilanz auswirkt. Lese ich jetzt ein Dokument ein zweites oder drittes mal, stellt sich mir sofort die Frage, ob es auf totem Holz nicht billiger gewesen wäre, denn da verschwinden die Buchstaben ja einfach nicht so, wenn mal keine Spannung am Papier anliegt.

      Anyway, vom WWF hätte ich ein Appell erwartet, dass man evtl. sparsamer mit dem Verteilen und Konsumieren von unnützen Informationen umgeht – und dem Hirnschmalz, dass Spammer Umweltschweine sind. Das wäre in meinen Augen eine reife Leistung gewesen – aber diese obskure Software? Schaut nach Umweltschutz-Prospekt auf Hochglanz-Papier printed in China aus und somit kann man meinem Vorredner nur Zustimmen: „Furzidee“! 🙂

  6. Martin (MacMacken)
    4. Dezember 2010

    Noch ein Problem: In einem geschäftlichen Kontext muss man Korrespondenz archivieren, wozu Ausdrucken das einfachste Mittel darstellt. Der WWF verhindert mit seinem «Format» diese Art der Archivierung.

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  7. M
    8. Dezember 2010

    So ist eben PR, Hauptsache Aufmerksamkeit, der Rest ist egal. Wären .wwf“s sinnvoll, wären sie auch so kompliziert dass sie keiner versteht.

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