«There’s an app for that!» Ach ja? Tücken der Fotoverwaltung auf dem iPhone

Gastbeitrag von MacMacken-Leser Simon Ingrisch

Für alles, so preist Apple, gebe es inzwischen auf dem iPhone und iPad eine App, sei es um ein Taxi zu bestellen oder das nächste 3-Sterne-Restaurant in der Umgebung zu finden – und so klafft natürlich auch im Bereich der Foto- und Bildbearbeitung im App Store nicht gerade eine Lücke. Es gibt zahlreiche Apps, die einem sowohl erlauben ein gerade geschossenes Foto mal schnell zu beschneiden oder zu drehen, als auch tolle Effekte anzuwenden oder rote Augen zu entfernen. Allen voran schreitet die beispielhafte, kostenlose App Photoshop Mobile von Adobe, die nicht nur zahlreiche einfache Bearbeitungsmöglichkeiten mitliefert, sondern sich auch optimal in den Online-Dienst Photoshop.com integriert. Aber sie ist keinesfalls konkurrenzlos: unter den kostenpflichtigen Fotobearbeitungs-Apps kämpfen etwa Apps wie die sehr empfehlenswerten Photogene, Color Splash oder TiltShift Generator um die Vorherrschaft.

Im Kontrast dazu stattet Apple die integrierten Foto-App nur sehr dürftig aus und umwirbt beim letzten Update auf iOS 4.0 gerade mal die Gesichter- und Orte-Funktion – nicht gerade sehr viel, wenn man noch ein bisschen mehr mit seinen Fotos auf dem iPhone und iPad anstellen will als nur anschauen. Nicht nur, dass einfache Bearbeitungsfunktionen, und sei es nur eine standardmäßige Tonwertkorrektur oder Begradigung, schlichtweg nicht vorhanden sind und man letztlich gezwungen ist auf Drittentwickler-Apps zurückzugreifen. Die so ziemlich einzige Verwaltungsfunktion, die einem in der Fotos-App zur Verfügung steht, wenn man nicht extra auf den Computer zurückgreifen will, ist das Löschen – aber wenn man die allzu oft verwendet, bleibt von der Foto-Mediathek auf dem Device bald nicht mehr viel übrig.

Nehmen wir nun aber mal an, man blättert durch seine Fotos, findet eines, an dem man etwas korrigieren will, und öffnet es mal eben in einer externen App (wozu man übrigens erst die App starten und dann das Foto erneut lange suchen muss und nicht, wie etwa bei Anhängen in Mail, direkt auf einen Button wie «Öffnen in dieser App …» tippen kann), und führt die Bearbeitung kurz durch. Ahnungslos tippt man auf «Speichern» und switcht dann via Multitasking-Menü zurück in die Foto-App, die einem sogar noch das letzte Foto anzeigt. Aber was ist das? Wo sind denn die Neuerungen geblieben, die man eben noch gemacht hat? Das Bild ist noch genau dasselbe wie vorher!

Nach einigem Suchen und Nervosität kommt man dann vielleicht auf die Idee, im Album «Gesicherte Fotos» nachzusehen – und siehe da, dort ist das Foto also gelandet! Man spürt Erleichterung, die Editierungen sind doch nicht weg. Jetzt aber schnell das Foto noch in sein richtiges Album verschieben und das alte löschen … nur wie? Die entsprechende Schaltfläche sucht man vergebens; Man kann ein Foto weder in ein anderes Ereignis, Gesicht oder Album einordnen oder kopieren – davon ein eigenes neues Ereignis zu erstellen oder ihm gar einen Ort auf der Karte zuzuweisen, falls es den noch nicht hat, ganz zu schweigen. Alle neuen Fotos landen statisch im Ordner «Gesicherte Fotos» und lassen sich von dort aus nicht bewegen, seien sie nun gerade geschossen oder in einer externen App bearbeitet – für die Verwaltung von Fotos taugt ein iOS-Device also keinen Pfifferling, dabei dürfte es doch weder schwer sein noch der Benutzererfahrung des Users widersprechen, wenn Apple ebensolche Funktionen mit integriert hätte, spätestens im iOS 4.0, wo man sogar endlich Zugriff auf Orte und Gesichter hat.

Einen kleinen Trost gibt es immerhin, wenn auch momentan nur für iPhone-User: er nennt sich PhotoAlbums+ und ist für 2,99 $ im Cydia Store erhältlich. Die Jailbreak-App erlaubt es nicht nur Fotos direkt von jedem beliebigem PC ohne iTunes auf das Device zu überspielen, sondern außerdem auch, Fotos direkt auf dem Gerät zu verwalten und in verschiedenen Alben einzusortieren. Doch ansonsten ist selbst der Jailbreak-Markt an dieser Stelle leider ziemlich rar angesiedelt.

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