Mac OS X «Lion»: QuickTime X wird endlich erwachsen!

Gastbeitrag von MacMacken-Leser Simon Ingrisch

Inzwischen ist der erste Developer Preview von Mac OS X 10.7 „Lion“ schon mehr als anderthalb Monate lang draußen, und es wird spekuliert, dass bereits schon bald eine offizielle „Golden Master“ erscheinen könnte, was bedeuten würde, dass der König der Raubkatzen kurz vor der Tür stünde. Die meisten Neuerungen sind inzwischen schon durch die Tester ans Licht gelangt. Unter dem regelrechten Schwall an neuen Features, den der Löwe mit sich bringt, ist jedoch eine Sache bisher so gut wie nicht erwähnt worden, weshalb ich mich ihr widmen wollen, nämlich ein Update für QuickTime X auf Version 10.1.

QuickTime X in Mac OS X 10.7 «Lion»: dieselbe Oberfläche wie in «Snow Leopard»

QuickTime X bewarb Apple in Mac OS X 10.6 „Snow Leopard“ als eine der großen Neuerungen, doch diese Neuerung waren für viele eher ein großer Schock, ähnlich dem Sprung von iMovie ’06 auf ’08: die Pro-Version mitsamt einem Großteil ihrer Features wurde gänzlich rausgestrichen, stattdessen führte Apple eine konsistente On-Screen-Oberfläche ein. Geeignet ist diese für den Gelegenheitsanwender und den Einsteiger, sieht sie doch ganz schick aus, ist nicht schwer zu bedienen und taugt zum Filmschauen allemal. Daneben gibt es noch die Möglichkeit Filme zu beschneiden, was mit einer hübschen Videospur mit Vorschaubildchen möglich ist; die bearbeiteten Videos lassen sich dann formatgerecht speichern oder gar nach iTunes exportieren.

So weit, so gut. Für den Homeanwender, der vorher nicht QuickTime Pro besaß, ist das alles ganz nützlich – für den „Profi“ oder auch den Hobbyfilmer, der etwas mehr mit seinen Videos anstellen will als bloß kürzen und dann auf den iPod schmeißen, ist QuickTime X aber schon nicht mehr geeignet. Immerhin bietet „Snow Leopard“ bei der Installation an, QuickTime 7 als Option ebenfalls zu installieren – für die Besitzer der Pro-Version ein Muss.

QuickTime X 10.1 in Mac OS X 10.7 «Lion»

In „Lion“ kommen nun endlich einige weitere Features der ehemaligen Pro-Version dazu – wenngleich nicht im alten Look, versteht sich, sondern Mac-like umgestaltet. Ein Entwickler war netterweise bereit mich mit einigen Infos und Screenshots über die neue Version zu versorgen, die wir euch nun im Folgenden präsentieren werden. Doch vorab: die QuickTime 7-Version läuft auch in „Lion“ noch makellos, ist allerdings (momentan) nicht mehr im Installationspaket optional enthalten, sondern muss manuell besorgt werden – wenn man bloß updated, stellt das natürlich kein Problem dar.

Die Optik des Players ist erst einmal dieselbe, nur mit einem kleinen Unterschied: oben rechts befindet sich nun ein zweites Symbol für den Vollbildmodus, das alte im On-Screen-Player ist natürlich weiterhin vorhanden. Der Vollbildmodus ist natürlich an „Lion“ angepasst und öffnet sich, ähnlich wie Mail oder Safari, in einen eigenen Space. Wenn man nun ein Video abspielt und dabei mit der Maus scrollt, erscheint übrigens anstelle der Play-Buttons ein Slider, mit dem man dynamisch schneller oder langsamer vor- oder zurückspulen kann. Ist der Film dagegen angehalten und man scrollt, so blättert man, wie zuvor, durch die einzelnen Frames des Films.

Neu sind auch vier Menüeinträge, mithilfe derer man ein Video nach links oder rechts drehen oder spiegeln kann. Für Fotos ist das schon lange eine Standardoption in der Bearbeitung, z. B. in Vorschau oder iPhoto, für Filme ist diese Option von Haus aus neu. Vorbei die Zeiten, da man einen Film mit dem iPhone oder der Kamera falsch herum aufgenommen hat, ohne es zu bemerken, und sich dann den Kopf verrenkte, wenn man ihn ansehen wollte.

Neu ist auch die Option, ein Fenster „oben schweben“ zu lassen: besonders praktisch ist das, wenn man nebenbei einen Film sehen möchte, hauptsächlich aber gerade im Web surft und das Browser-Fenster den Player ständig verdeckt.

Neben diesen kleineren Features gibt es aber noch eine größere Neuerung: man kann Clips nun endlich nach belieben zusammenfügen und aneinanderketten.

Im Menüpunkt „Darstellung“ gibt es nun eine Option namens „Clips einblenden“. Wählt man diese, so erscheint eine Zeitleiste, in der alle Clips, die ein bestimmter Player enthält, zusammen mit kleinen Vorschaubildchen dargestellt werden. Standardmäßig ist das nur ein einziger.

Um zwei Clips nun zusammenzufügen, gibt es mehrere Wege. Man kann sich nun direkt ein Video schnappen und es per Drag’n’drop in die Leiste mit den Clips ziehen. Wenn die Clip-Leiste gerade nicht eingeblendet ist, erscheint sie übrigens automatisch, sobald man ein Video über den Player zieht. In dieser Leiste kann man das Video nun anordnen.

Ebenfalls praktisch: hält man einen Clip für zwei Sekunden über der Leiste, ohne loszulassen, erscheint eine Vorschau aller Clips, die sich in der Leiste befinden (siehe Screenshot). Das erleichtert vor allem dann die Arbeit, wenn man viele Player-Fenster mit ähnlichem Inhalt offen hat und nicht mehr genau weiß, welches jetzt das richtige war. Man kann, solange die Datei noch nicht in ein Format gespeichert wurde, die Clips jederzeit neu anordnen, löschen oder beliebig viele andere Clips hintereinander einfügen.

Alternativ kann man auch aus dem Menü den Eintrag „Clip am Ende einfügen“ auswählen, woraufhin man aufgefordert wird, den entsprechenden Clip auszuwählen. Haben zwei Clips nicht dieselbe Größe, kann man zudem auswählen, wie genau der Clip im Verhältnis zu den anderen in den Film integriert werden kann. Optional kann man auch statt den Vorschaubildchen die Audiospur einblenden.

Hat man einen Film fertig geschnitten, kann man ihn wie gewohnt abspeichern. Hier gibt es aber zwei Neuerungen: zum einen kann man nun die Audiospur eines Videos extrahiert abspeichern. Außerdem gibt es einige neue Freigabeoptionen, man kann Videos nun auch auf Vimeo, Flickr und Facebook hochladen und per Email versenden.

Ebenfalls neu: bei Bildschirmaufzeichnungen via QuickTime kann man nun auch lediglich einen Bereich des Bildschirms aufzeichnen. Für professionelle Screencasts ist QuickTime aber dennoch kein Ersatz, allein schon weil die Aufzeichnungen u. U. ziemlich ruckeln können.

Fazit

QuickTime X 10.1 in „Lion“ bietet einige neue Features, die den systemeigenen Videoplayer durchaus verbessern und auch dem Privatnutzer nun noch mehr Möglichkeiten geben etwas aus seinen Videos herauszuholen. Auch wenn der Heimanwender für Videobearbeitung theoretisch auch zu iMovie greifen kann, so ist es doch meist zu umständlich, extra einige Clips nach iMovie zu importieren, in ein Projekt einzufügen, dort zu bearbeiten und  zu exportieren – gerade für schnelle, kurze Bearbeitungen taugt QuickTime X gut und ist nun in „Lion“ noch besser geworden, wenngleich das Update kein Quantensprung ist und immer noch nicht alle Features der Pro-Version enthält. Schön wäre es allerdings gewesen, wenn QuickTime viele dieser Funktionen auch schon in Snow Leopard besessen hätte, wo Apple immerhin selbstverliebt Version 8 und 9 übersprungen hat, um stolz die Version X präsentieren zu können.

Meinungen in der MacMacken-Leserschaft?

Nun seid ihr gefragt. Was haltet ihr von QuickTime X? Nutzt ihr es momentan und werdet ihr es auch in „Lion“ nutzen oder vielleicht gerade erst dann – oder ist der Mac euch generell zu iOSsig geworden und ihr greift lieber zu QuickTime Pro oder anderer bewährter Pro-Software, wenn es um Videos geht?

3 Comments

  1. Lasse Kolb
    21. Juli 2011

    Ich finde, im Vergleich zu der Quicktime-Version in 10.6 ist der Export ein vielfaches Langsamer geworden!
    Wenn man unter 10.6 ein Video geladen hat, es getrimmt hat, und dann gesichert hat, hatte es zwar danach die Endung .mov, aber das Sicher hat nur wenige Sekunden gedauert. Unter OSX 10.7 dauert der Export gut und gerne ca 30 MINUTEN, dafür ist dann die Dateiendung gleich.
    Das verstehe ich z.B. überhaupt nicht …

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    • Scheubo
      3. Januar 2012

      Das interessiert mich auch, wie ich das schnelle Sichern eines getrimmten Videos mit dem Lion-Quicktime hinkriege, so wie das mit dem SL-QuickTime möglich war!

  2. Lutz Mommartz
    9. Oktober 2011

    hab seit 2000 viele Filme von DV auf iMovie geschnitten und über QuickTime bereitgestellt und auf Festplatten gespeichert und auf DVD gebrannt. Mit diesen Festplatten muß ich weiterarbeiten, stoße aber bei QuickTime Lion auf einen totalen Rödler. Auf Quicktime Player 7 kann ich nur öffnen, wenn ich den Film draufziehe. Das ist fickerich. Im Mac Center Oberhausen wußte man auch nicht so recht, was tun und legte mir zum Öffnen VCL drauf, mit dem ich besser öffnen kann, aber auch nur mit Draufziehen und Kommentar. Warum kann ich meine Filme nicht mit nem Klick auf der Festplatte öffnen? Wenn das nicht geht, geht die Entwicklung des Saystems den Bach runter.

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