MacBook Air als Notebook der Zukunft?

Gastbeitrag und Publireportage von Simon Ingrisch
in Zusammenarbeit mit «Testbericht.de».

Die kürzliche Aktualisierung des MacBook Air* nehme ich zum Anlass darüber zu berichten, in welche Richtung die MacBooks* und das Mac-Betriebssystem momentan streben.

 

Das MacBook Air erschien Anfang 2008 und wurde von Steve Jobs als das „dünnste Notebook der Welt“ gepriesen – womit er nicht unrecht hatte. Es war wirklich enorm dünn, schlank und leicht und folglich auch komfortabel und einfach mitzunehmen zum verreisen. Doch es hatte auch einen stolzen Preis, der es weit von den NetBooks abhob. Zeitweise verkaufte es sich wegen diesem Preis und der – verglichen mit den anderen MacBooks – geringen Leistung ziemlich schlecht und wurde mehrmals aktualisiert.

Am 20. Juli dieses Jahres erfolgte – Hand in Hand mit Mac OS X „Lion“ – die neueste MacBook Air-Generation, zusammen mit einer ordentlichen Preissenkung. Ab 949 Euro (in der Schweiz ab 1’049 Franken) ist das dünne MacBook nun verfügbar. Daneben wurden die Prozessoren auf die aktuellen i5- und i7-Generationen aktualisiert, das MacBook Air erhielt die neuesten Anschlüsse wie den Thunderbolt-Anschluss und auch eine Hintergrundbeleuchtung für die Tastatur. Alles kleine, wenn auch feine Neuerungen.

Doch kaum ist ein neues MacBook Air auf dem Markt, wird schon über die nächste Generation spekuliert. Der Analyst Peter Misek glaubt nämlich daran, dass iOS und Mac OS X (inzwischen nur noch OS X) bald verschmolzen werden könnten – eine Befürchtung, die schon seit der Präsentation des iPhones und des damit verbundenen iOS, damals noch iPhone OS, im Raum steht. Und Anzeichen dafür gibt es genug.

Doch beginnen wir vorne: Schon 2007 bei der Vorstellung des ersten iPhones beschrieb Apple das iPhone OS als Mac OS X, nur ziemlich abgespeckt – es basiert auf dem gleichen Unterbau und besitzt deshalb zum Beispiel die gleichen Sicherheitsfeatures und -risiken, was unter anderem daran deutlich wird, dass bei großen Sicherheitslücken sowohl iOS als auch Mac OS X (oder zumindest Safari) ein Update widerfährt.

In den letzten Jahren gab es dann Phasen, in denen Apple sich immer stärker dem iOS zuwandte und Mac OS X scheinbar vernachlässigte. Als dann das iPad erschien, verkündete Steve Jobs freudestrahlend, dass darauf das iPhone OS laufen werde – eine Grundsatzentscheidung, die vielen Leuten Unbehagen bereitete, könnte man laut ihrer Meinung mit einem Tablet von Apple höchstens etwas anfangen, wenn dort wenigstens Mac OS X drauf läuft.

Dieses Jahr hat sich Apple dann endlich wieder ordentlich um dem Mac gekümmert – nicht ohne vom iOS „gelernt“ zu haben: viele, nach der Ansicht einiger Kunden zu viele Features oder Pseudo-Features des iOS wurden auf den Mac übernommen. Darüber hinaus hat Apple für den Namen der diesigen Raubkatze «Lion» gewählt – womit wir nach 10 Jahren Mac OS X inzwischen beim König der Katzen angekommen sind und somit die Frage unausweichlich ist, was Apple für das nächste Betriebssystem plant. Eine neue, wiederum „tiefer“ gestellte Katzenart wäre unsinnig, ein Reboot ist diesbezüglich die einzig denkbare Möglichkeit.

Doch wird es bloß ein Reboot des Titels, weil Apple in OS X einige grundlegende Veränderungen einführt und das OS X bei der Gelegenheit einfach neu benennt – oder wird es ein radikaler Neustart, ähnlich wie der von Mac OS X nach Classic? Ein „gemischtes“ System irgendwo zwischen den beiden Systemen ist tatsächlich nicht mehr auszuschließen.

Doch bisher unterschieden sich OS X und iOS zumindest noch ganz klar durch die Zielgeräte, auf denen sie laufen: das iOS ist wirklich nur für Touch-Geräte, im Klartext das iPhone, den iPod Touch und das iPad, während Mac OS X eben auf vollwertigen Rechnern läuft. Sollte es tatsächlich in den nächsten Jahren vollends zur Vermischung kommen, muss entweder ein ganz neues Gerät her – doch was für eines sollte das sein, es gibt schließlich nicht wirklich eine Lücke zwischen dem iPad und dem MacBook – oder es läuft Stück für Stück auf den vorhandenen Geräten.

Das MacBook Air ist der beste Kandidat dafür: schon immer war es schlankste MacBook, und dank des akzeptablen Preises ist davon auszugehen, dass es sich in nächster Zeit immer mehr verbreitet. Die Leistung war noch nie die beste, iOS benötigt allerdings auch nicht viel GHz oder einen großen Arbeitsspeicher, um rund zu laufen. Viel eher sorgt die SSD für eine ordentliche Geschwindigkeit beim Schreiben und Lesen (auf) der Festplatte.

Eine kritische Frage ist die der Bedienung. Apple hat auf einer der letzten Keynotes ganz klar angekündigt, in absehbarer Zeit keine Macs mit Touchscreen anzufertigen. Das MacBook Air hat ein Multitouch-Trackpad und benötigt auch kein Touch-Display. Wenn man also davon ausgeht, dass Apple sich an sein Versprechen hält und in den nächsten Jahren wirklich keine Touch-Macs fertigt – es wäre nicht das erste mal, dass Apple falsche Versprechen gemacht hat –, muss der potentielle Mac OS X-Nachfolger auch weiterhin auf die Tastatur- und Mausbedienung ausgelegt sein. Das heißt folglich, dass die nächste Betriebssystems-Version noch mehr von Mac OS X haben muss als von iOS.

Fazit: Auch wenn man zwischenzeitlich spekulierte, dass das MacBook Air ganz fallen gelassen würde, so wird es wohl nicht nur weiterhin in Apples Repertoire bleiben, sondern hat auch eine fabelhafte Zukunft. Dank des niedrigeren Preises ist es attraktiv und mobil wie eh und je.

Eine noch tiefergehende Vermischung der Betriebssysteme ist weiterhin denkbar. Vielleicht wird die nächste oder übernächste MacBook Air-Generation tatsächlich einen A6-Chip erhalten und das Betriebssystem dem iOS noch ähnlicher sein – dass Apple die bisherige Ordnung von iOS und OS X ganz durcheinander würfelt und ein reines iOS auf dem MacBook Air laufen lässt, ist hingegen unwahrscheinlich, zumindest in nächster Zeit.

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13 Comments

  1. iMarc
    11. August 2011

    OS 11, das beide (iOS und OS X ersetzt) wäre langsam fällig. Was ganz neues, revolutionäres (Steuerung per Gedankenübertragung, oder so…).

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  2. Damien
    11. August 2011

    Naja, es wird kein OS X mehr geben. Jedenfalls kein derartiges Major-Release. Apple hat doch per Pressemitteilung angekündigt, Features und Co. nun inkredimentel einzuführen. Kein Majorrelease, sondern immer mal wieder was neues (kostenlos).

    http://www.appleinsider.com/articles/11/07/19/apple_to_incrementally_deliver_icloud_additional_new_features_for_mac_and_ios_users.html

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    • Martin (MacMacken)
      11. August 2011

      Ist das nicht vor allem eine Frage der Buchhaltung, genauso wie bereits bei iOS?

  3. Martin (MacMacken)
    11. August 2011

    (inzwischen nur noch OS X)

    Wieso nur noch «OS X»?

    «Lion» zumindest erscheint immer noch als «Mac OS X».

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    • Simon
      11. August 2011

      Zumindest in den Werbeanzeigen, wie auch im Mac App Store, bewirbt Apple das System aber nur noch als „OS X Lion“. Insofern etwas verwirrend, da es z. B. im „Über diesen Mac“-Menü immer noch Mac OS X genannt wird. (Siehe z. B. Screenshot oben.)

  4. schneeschmelze
    11. August 2011

    Dank des niedrigeren Preises … – 1000 Euro (=2000 DM) für ein Notebook ohne die wichtigsten Anschlüsse und ohne optisches Laufwerk sind alles andere als günstig. Und zu Lion sollte man besser schweigen.

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    • Simon
      11. August 2011

      Natürlich ist es nicht so billig wie ein NetBook oder auch ein normales Notebook gleicher Leistung (einer anderen Firma). Aber nach dem, was man von Apple so gewöhnt ist, kann sich der Preis schon sehen lassen. Zuvor hat es, glaube ich, ca. 1700 € aufwärts gekostet – und selbst das MacBook Pro (1149 €) ist da noch teurer.

      Ich muss dir zustimmen, auch ich begrüße den Mangel bzgl. der Anschlüsse nicht – aber andererseits, hätte in dem dünnen Gerät noch ein Laufwerk Platz gehabt? Das MacBook Air hatte schon von Anfang an kein internes Laufwerk und das erwartet bei diesem Gerät wohl auch keiner mehr.

      Gerade diese Merkmale qualifizieren das Gerät natürlich prima für ein „Mischsystem“ oder OS 11.

    • Martin (MacMacken)
      12. August 2011

      @schneeschmelze:

      1000 Euro (=2000 DM)

      In einer leistungsfähigen Konfiguration ist das MacBook Air sogar noch teurer, ich würde für die 11″-Version momentan knapp 1’850 EUR und für die 13″-Version knapp 1’900 EUR bezahlen (jeweils mit «Apple Care», schnellster CPU und 256 GB Speicherplatz). Mir war übrigens nicht bewusst, dass die 11″- und 13″-Versionen fast gleich teuer sind.

      Mobile, aber dennoch leistungsfähige Notebooks sind allerdings nicht nur bei Apple teuer.

      OT: Ich bezweifle, dass man für 1’000 Euro noch 2’000 deutsche Mark kaufen könnte … 😉

    • lu.
      18. August 2011

      Natürlich sind die Dinger immer noch ziemlich teuer (aber das sind ja eigentlich alle Macs), man darf aber auch nicht vergessen, dass das Teil SSD-Speicherkarten eingebaut hat. Diese sind deutlich teurer als konventionelle HDDs und sorgen mitunter sicher auch für den vergleichsweise hohen Preis.

  5. Ruben
    12. August 2011

    Die größere Frage ist doch: wird das MacBook Pro 13″ noch parallel bestehen bleiben? Es gibt ja kaum noch Gründe, sich dafür und gegen das Air zu entscheiden.

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    • Martin (MacMacken)
      12. August 2011

      @Ruben:

      Die größere Frage ist doch: wird das MacBook Pro 13″ noch parallel bestehen bleiben? Es gibt ja kaum noch Gründe, sich dafür und gegen das Air zu entscheiden.

      Wer noch etwas mehr Spiegelbild möchte, muss zum 13″-MacBook Pro greifen! 😉

      Das MacBook Pro bietet deutlich mehr Leistung: Schnellere CPU, 8 statt bloss 4 GB RAM, mehr als 256 GB Speicherplatz, längere Laufzeit mit Batterie, … preislich ist allerdings das Problem, dass sich Apple den Kauf einer SSD mit dem MacBook Pro sehr teuer bezahlen lässt. Aber beim MacBook Pro kann man ja die günstigste Festplatte kaufen und dann selbst eine SSD nachrüsten – ohne «Apple-Steuer».

  6. Ben
    30. August 2011

    Ich will gar nicht auf den Artikel an sich eingehen, weil er teilweise gut und teilweise schlecht ist (und ich gerade weder Zeit noch Lust habe, mich detailliert dazu zu äußern) – aber meiner Meinung nach ist das MacBook Air günstig. Wenn man die Leistung mit einem aktuellen 11,6″-Netbook vergleicht, bekommt man sehr viel mehr (vor allem dank der SSD), zahlt aber auch das Doppelte. Apple war schon immer teurer, wobei ICH persönlich nicht von „überteuert“ sprechen würde. Aber das muss jeder für sich wissen.

    Aktuell stehe ich vor der Entscheidung, das MacBook Pro 13″ mit SSD oder das MacBook Air 13″ zu kaufen. Letzteres ist gerade nicht lieferbar – das ist der Grund, wieso ich überhaupt nachdenke. Ich bevorzuge das Air, aber schwanke. Was meint die werte Leserschaft?

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    • Simon
      30. August 2011

      Kommt ganz drauf an, was du willst. Das MacBook Pro hat zweifellos mehr Leistung und auch bessere Anschlussmöglichkeiten; allein das beim Air fehlende DVD-Laufwerk darf man nicht vergessen. Wenn dir die Leistung lieber ist bzw. du das Notebook eher „produktiv“ einsetzen willst, rate ich dir zum MBP. Für die meisten anderen Dinge genügt aber auch das Air.

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