Im Test: Textkraft, der schlaue Editor fürs iPad – Gastbeitrag

Gastbeitrag von MacMacken-Leser Simon Ingrisch

Texteditoren für das iPad sind ein Markt für sich. Es gibt grundsätzlich zwei Richtungen, in die diese Apps gehen: Sie versuchen entweder das Schreiben möglichst simpel und ansprechend zu gestalten oder sie setzen auf möglichst viele Funktionen (für eine Tablet-App). Die App Textkraft gehört eher in die zweite Kategorie und ich habe sie mir näher angeschaut.

Auf den ersten Blick kommt Textkraft nicht viel besser rüber als viele andere Textverarbeitungen für das iPad, allen voran Pages von Apple. Das Interface ist schlicht und farblos. Auch die Speicherumgebung ist nicht sehr besser als z. B. die von Pages. Es gibt fünf sogenannte „Schnellspeicher“, in denen man die Texte flott ablegen kann; auch eine Undo- & Redo-Funktion ist vorhanden. Daneben lassen sich Texte natürlich auch per E-Mail versenden, in einer anderen App öffnen oder nach iTunes exportieren – im Grunde das übliche. Positiv fällt daneben noch die Dropbox-Integration auf.

Das nächste hübsche Feature fiel mir direkt danach auf: eine erweiterte Tastatur. Die Apple’sche iPad-Tastatur bietet standardmäßig keine Shortcuts a là „Alt“ + „Pfeiltasten“ oder „Command“ + „Pfeiltasten“ um zwischen Wörtern, Zeilen oder Absätzen umherzuspringen. Auf dem Mac nutze ich diese Funktionalität ständig, auf dem iPad bleibt hingegen nur sich wrickelig mit dem Finger an die richtige Stelle zu bewegen. Textkraft dagegen bietet eine zusätzliche Zeile, in der Buttons sitzen, um z. B. Wörter zu überspringen. Das gleiche gilt auch für die Auswahl von Text: dank wenigen Buttons kann man ohne viel Rumgewische so viel auswählen, wie man will – oder wenn man die Groß- und Kleinschreibung vertauschen will.

Daneben gibt es noch ein lokales Wörterbuch, das jedoch einen ziemlich geringen Umfang besitzt, sowie direkten Zugriff auf einige Online-Resourcen, darunter Wikipedia und Wiktionary. Um mal eben ein Wort nachzuschlagen, ist es gut geeignet und allemal bequemer, als extra in eine externe App zu wechseln. Dennoch, für umfangreichere Recherchen direkt in der App ist es einfach zubeschränkt, da es keine Features wie Tabs, Historie oder Browser im „Hintergrund“ gibt.

Dann gibt es noch eine Rechtschreibhilfe, die direkt beim Schreiben funktioniert. Sie zeigt einem zu jedem geschriebenen Wort Alternativen an. Falls man sich also mal nicht sicher bei einem Wort ist oder nach Synonymen sucht, hilft einem die App direkt weiter – etwas umfangreicher und weniger aufdringlich als die systemeigene Rechtschreibhilfe. Diese lässt sich bei Bedarf übrigens ausstellen.

Neben diesen wesentlichen Features besitzt die App noch ein paar andere Gimmicks, so z. B. kann man auch aus der App via AirPrint drucken (ab iOS 4.2) oder nähere Informationen zum Text (Zeichenanzahl, Wortzahl, usw.) anzeigen lassen. Wer öfter mal ein Dokument von fester länger schreiben will/muss, für den ist dieses Feature gut geeignet. Außerdem gibt es auch einen Lesemodus – wenn man also gerade ein Dokument nur lesen möchte, kann man es so davor schützen, dass man ganz versehen etwas verändert.

Leider muss ich auf meinem iPad 1 auch sagen, dass die App manchmal Performanceschwierigkeiten hat: die Eingabe kommt mal nicht nach, andermal funktioniert der In-App-Browser oder das Wörterbuch nicht besonders schnell. Das ist ein kleines Hindernis und hier sollte nachgebessert werden.

Fazit: Auch wenn die App nicht gerade mit einem bestechlichen Interface daherkommt, ist der Ansatz doch der richtige und sie drückt dem User zahlreiche nützliche Funktionen in die Hand, die in einer Tablet-App sonst nur schwer zu finden sind. Ihren Preis von 5,99 € ist sie auf jeden Fall wert; der Entwickler kündigte zudem neue Features an. Viel falsch machen kann man als Schreiberling mit dieser App ohnehin nicht. Trotzdem: wer mit Features wie dem Wörterbuch, der Online-Recherche oder dem Wortzähler nicht viel anfangen kann, der sollte sich gut überlegen, ob er nicht doch lieber 3 € mehr hinblättert und direkt zu Pages greift.

Autor: Simon Ingrisch

3 Comments

  1. philhill
    29. September 2011

    Und wie ist bei dieser TextEditor-App die DropBox-Integration gelöst?

    – kann man jedes Text-Dokument in der DB ohne Probleme auswählen und bearbeiten/abspeichern?

    – oder wird bei der DB Anbindung ein separater Folder in der DB erzeugt?

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    • Simon
      29. September 2011

      Leider nur zweiteres, d. h. die Dokumente werden via Dropbox über verschiedene Geräte hinweg über einen Ordner synchronisiert. Eine freie Auswahl hat man in der DP nicht.

  2. philhill
    5. Oktober 2011

    Ja dann ist Droptext für mich die bessere Alternative: http://itunes.apple.com/de/app/droptext-a-text-editor-for/id371880635?mt=8

    Hier kann man bei einer DP-Anbindung jedes txt. File in der DP beliebig bearbeiten. Leider hat Droptext nicht so viele Einstellungs-Möglichkeiten wie Textkraft, aber wer braucht dies schon?!

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